Olanzapin bei Schizophrenie und bipolarer Störung
Olanzapin ist ein Antipsychotikum und in Österreich zur Behandlung der Schizophrenie, manischer Episoden und zur Vorbeugung neuer Phasen bei bipolarer Störung zugelassen. Alle Präparate sind rezeptpflichtig. Diese Seite fasst Dosierung, Nebenwirkungen, notwendige Kontrollen und Wechselwirkungen nach der Fachinformation zusammen. Ein Rezept für Olanzapin stellen wir online nicht aus.
Wofür Olanzapin zugelassen ist
Laut Fachinformation (Abschnitt 4.1) ist Olanzapin bei Erwachsenen zur Behandlung der Schizophrenie zugelassen; bei Menschen, die darauf angesprochen haben, ist es bei fortgesetzter Behandlung auch zur Aufrechterhaltung der Besserung wirksam. Außerdem ist es zur Behandlung mäßig schwerer bis schwerer manischer Episoden zugelassen und zur Phasenprophylaxe bei bipolarer Störung, wenn die manische Episode auf Olanzapin angesprochen hat. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird Olanzapin nicht empfohlen; in Kurzzeitstudien mit Jugendlichen waren Gewichtszunahme und Veränderungen von Blutfetten und Prolaktin ausgeprägter als bei Erwachsenen.
Olanzapin wirkt laut Abschnitt 5.1 auf eine größere Zahl von Rezeptorsystemen, unter anderem auf Serotonin-, Dopamin-, Histamin- und Muskarinrezeptoren, und bindet stärker an Serotonin-5-HT2- als an Dopamin-D2-Rezeptoren. Das Gesundheitsportal beschreibt Antipsychotika als Medikamente, die gegen die Symptome einer Psychose helfen und vor Rückfällen schützen können. Bis sich der Zustand bessert, vergehen laut Abschnitt 4.4 mehrere Tage bis einige Wochen, und in dieser Zeit ist eine engmaschige Begleitung vorgesehen.
In Österreich ist Olanzapin von vielen Herstellern als Tablette und als Schmelztablette mit 2,5 bis 20 mg zugelassen, außerdem in Darreichungsformen zur Injektion. Einen Überblick über psychische Erkrankungen und ihre Behandlung gibt die Seite Depression und Psyche, zu einem weiteren Antipsychotikum die Seite Quetiapin.
Dosierung laut Fachinformation
Olanzapin wird in der Regel einmal täglich eingenommen, ohne Rücksicht auf die Mahlzeiten, weil Essen die Aufnahme nicht beeinflusst. Die Dosis wird laut Abschnitt 4.2 innerhalb von 5 bis 20 mg täglich an den klinischen Zustand angepasst. Eine Erhöhung über die Anfangsdosis hinaus erfolgt nur nach erneuter ärztlicher Beurteilung und im Allgemeinen in Abständen von mindestens 24 Stunden.
Mehrere Faktoren können den Abbau verlangsamen: weibliches Geschlecht, höheres Alter und Nichtrauchen. Liegt mehr als einer davon vor, ist laut Fachinformation ein Beginn mit einer niedrigeren Dosis zu überlegen und eine Steigerung nur vorsichtig vorzunehmen. Rauchen kann den Abbau dagegen beschleunigen. Die Werte in der Tabelle sind Rahmenwerte; verbindlich ist die verordnete Dosis.
| Situation | Dosierung laut Fachinformation |
|---|---|
| Schizophrenie | Anfangsdosis 10 mg täglich, danach 5 bis 20 mg täglich |
| Manische Episode, als alleinige Behandlung | Anfangsdosis 15 mg einmal täglich |
| Manische Episode, in Kombination | Anfangsdosis 10 mg einmal täglich |
| Phasenprophylaxe bei bipolarer Störung | 10 mg täglich; nach einer mit Olanzapin behandelten manischen Episode in derselben Dosis weiter |
| Menschen über 65 Jahre | 5 mg täglich zu Beginn in Betracht ziehen, wenn klinische Gründe dafür sprechen |
| Eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion | Beginn mit 5 mg in Betracht ziehen; bei mittelgradiger Leberinsuffizienz 5 mg und nur vorsichtig steigern |
Gewichtszunahme und Stoffwechsel
Gewichtszunahme ist laut Abschnitt 4.8 eine sehr häufige Nebenwirkung und wurde in allen Gruppen des Ausgangs-BMI beobachtet. Nach einer Kurzzeittherapie von durchschnittlich 47 Tagen hatten 22,2 % der Behandelten mindestens 7 % ihres Ausgangsgewichts zugenommen, 4,2 % mindestens 15 % und 0,8 % mindestens 25 %. Bei einer Behandlung über mindestens 48 Wochen lagen diese Anteile bei 64,4 %, 31,7 % und 12,3 %. Ein gesteigerter Appetit ist häufig.
Auch der Stoffwechsel verändert sich. Erhöhte Werte für Cholesterin, Triglyzeride und Blutzucker sind häufig, und gelegentlich wurde die Entwicklung oder Verschlechterung eines Diabetes beschrieben, teils mit Ketoazidose oder Koma und in einigen Fällen tödlich. Als Zeichen eines hohen Blutzuckers nennt die Fachinformation starken Durst, häufiges Wasserlassen, Heißhunger und Schwäche; diese Beschwerden gehören umgehend ärztlich abgeklärt. Für die regelmäßigen Kontrollen nennt Abschnitt 4.4 beispielhaft die Zeitpunkte in der Tabelle.
| Kontrolle | Zeitpunkte laut Fachinformation (Beispiel) |
|---|---|
| Körpergewicht | zu Beginn, nach 4, 8 und 12 Wochen, danach vierteljährlich |
| Blutzucker | zu Beginn, nach 12 Wochen, danach jährlich |
| Blutfette | zu Beginn, nach 12 Wochen, danach alle 5 Jahre |
Weitere Nebenwirkungen
Sehr häufig sind neben der Gewichtszunahme laut Abschnitt 4.8 Schläfrigkeit, ein Blutdruckabfall beim Aufstehen und ein erhöhter Prolaktinspiegel. Häufig treten unter anderem Schwindel, Bewegungsunruhe (Akathisie), Parkinson-ähnliche Beschwerden und andere Bewegungsstörungen, Verstopfung und Mundtrockenheit, vorübergehend erhöhte Leberwerte, Hautausschlag, Gelenkschmerzen, Schwäche, Müdigkeit, Wassereinlagerungen und Fieber auf, außerdem Erektionsstörungen bei Männern und eine verminderte Libido.
Selten, aber ernst ist ein malignes neuroleptisches Syndrom. Es zeigt sich mit hoher Körpertemperatur, steifen Muskeln, wechselnder Bewusstseinslage und Zeichen eines instabilen Kreislaufs wie unregelmäßigem Puls oder Blutdruck. Dann müssen laut Abschnitt 4.4 alle Antipsychotika abgesetzt werden, und es ist ein Notfall für die Rettung unter 144. Gelegentlich wurden Krampfanfälle, venöse Thrombosen einschließlich Lungenembolien und klinisch relevante Verlängerungen der QT-Zeit im EKG beobachtet. Bei längerer Behandlung steigt das Risiko für Spätdyskinesien, also unwillkürliche Bewegungen, die auch erst nach dem Absetzen auftreten können. In einer Beobachtungsstudie hatten Behandelte ein etwa doppelt so hohes Risiko für einen vermuteten plötzlichen Herztod wie Menschen ohne Antipsychotika, vergleichbar mit anderen atypischen Antipsychotika.
Da Olanzapin Schläfrigkeit und Schwindel verursachen kann, warnt Abschnitt 4.7 vor dem Lenken von Fahrzeugen und dem Bedienen von Maschinen.
Ältere Menschen mit Demenz oder Parkinson
Bei Psychosen und Verhaltensstörungen im Rahmen einer Demenz wird Olanzapin laut Abschnitt 4.4 nicht empfohlen. In placebokontrollierten Studien mit älteren Menschen, im Durchschnitt 78 Jahre alt, war die Sterblichkeit unter Olanzapin doppelt so hoch wie unter Placebo (3,5 % gegenüber 1,5 %), und Schlaganfälle oder vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns traten dreimal so häufig auf (1,3 % gegenüber 0,4 %). Eine Wirksamkeit wurde in diesen Studien nicht belegt.
Ebenfalls nicht empfohlen ist Olanzapin bei Psychosen, die bei der Parkinson-Krankheit durch Dopamin-Agonisten ausgelöst werden: In Studien verschlechterten sich Parkinson-Beschwerden und Halluzinationen sehr häufig, und die psychotischen Symptome besserten sich nicht stärker als unter Placebo. Bei Menschen über 65 Jahren empfiehlt die Fachinformation außerdem regelmäßige Blutdruckmessungen, weil ein Blutdruckabfall beim Aufstehen beobachtet wurde.
Absetzen und Rückfallrisiko
Beim Absetzen ist laut Abschnitt 4.2 ein schrittweises Ausschleichen in Erwägung zu ziehen. Nach plötzlichem Absetzen wurden selten akute Beschwerden wie Schwitzen, Schlaflosigkeit, Zittern, Angst, Übelkeit oder Erbrechen berichtet.
Schwerer wiegt das Rückfallrisiko der Grunderkrankung. Laut Gesundheitsportal kommt es bei etwa 60 von 100 Menschen mit Schizophrenie innerhalb von zwei Jahren nach einer akuten Psychose zu einem Rückfall, und Antipsychotika können vor Rückfällen schützen. Ob und wie eine Dosis verringert wird, entscheidet deshalb die psychiatrische Behandlung gemeinsam mit Ihnen. Das Gesundheitsportal empfiehlt dafür einen Krisenplan, der festhält, was zu tun ist, wenn sich Beschwerden verschlechtern, und in den auch Angehörige eingebunden werden können.
Wechselwirkungen, Rauchen und Alkohol
Olanzapin wird über das Enzym CYP1A2 abgebaut. Rauchen und Carbamazepin beschleunigen den Abbau und können die Konzentration senken; laut Fachinformation sind die klinischen Folgen wahrscheinlich gering, eine Überwachung wird aber empfohlen. Wer mit dem Rauchen aufhört oder beginnt, sollte das daher der behandelnden Ordination mitteilen. Fluvoxamin hemmt den Abbau deutlich: Die höchste Konzentration im Blut stieg bei Nichtraucherinnen um 54 % und bei Rauchern um 77 %. Bei Fluvoxamin oder Ciprofloxacin wird eine niedrigere Anfangsdosis erwogen.
Aktivkohle vermindert die Aufnahme um 50 bis 60 % und soll mindestens zwei Stunden vor oder nach Olanzapin eingenommen werden. Olanzapin kann die Wirkung von Dopamin-Agonisten abschwächen, wie sie etwa bei Parkinson eingesetzt werden. Zusammen mit Valproat wurde häufig ein Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen (Neutropenie) berichtet. Auch Arzneimittel, die die QT-Zeit im EKG verlängern, erfordern Vorsicht. Weil Olanzapin vor allem auf das Zentralnervensystem wirkt, rät die Fachinformation außerdem zur Vorsicht bei Alkohol und anderen dämpfenden Arzneimitteln.
Gegenanzeigen, Schwangerschaft und Stillzeit
Abschnitt 4.3 nennt zwei Gegenanzeigen: eine Überempfindlichkeit gegen Olanzapin oder einen sonstigen Bestandteil und ein bekanntes Risiko für ein Engwinkelglaukom. Vorsicht gilt bei vergrößerter Prostata oder einer Darmlähmung, bei Krampfanfällen in der Vorgeschichte, bei erhöhten Leberwerten oder eingeschränkter Leberfunktion und bei niedrigen Werten weißer Blutkörperchen.
In der Schwangerschaft darf Olanzapin laut Abschnitt 4.6 nur angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen das Risiko für das Kind rechtfertigt. Neugeborene, die im letzten Schwangerschaftsdrittel Antipsychotika ausgesetzt waren, können Bewegungsstörungen oder Entzugserscheinungen zeigen und werden sorgfältig überwacht. Olanzapin geht in die Muttermilch über, Stillen wird während der Einnahme nicht empfohlen. Eine geplante oder festgestellte Schwangerschaft besprechen Sie früh mit der behandelnden Ordination, ohne die Einnahme selbst zu beenden.
Kein Online-Rezept: wohin bei Olanzapin
Psychopharmaka, zu denen auch Antipsychotika wie Olanzapin zählen, beurteilen wir derzeit nicht online, auch nicht zur Fortführung. Auf dieser Seite gibt es deshalb nichts anzufragen. Eine Schizophrenie wird laut Gesundheitsportal in der akuten Phase meist im Spital behandelt, danach etwa bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Psychiatrie oder in einer psychosozialen Einrichtung; bei einer bipolaren Störung ist ebenfalls eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie die richtige Anlaufstelle. Dort finden auch die regelmäßigen Kontrollen von Gewicht, Blutzucker und Blutfetten statt.
Alle Olanzapin-Präparate sind rezeptpflichtig und im Arzneispezialitätenregister als Arzneimittel zur einmaligen Abgabe eingestuft. Für sie gilt ein Wiederholungsverbot: Ordnet der Verschreibende die wiederholte Abgabe nicht ausdrücklich auf dem Rezept an, ist nach § 4 Abs. 2 Rezeptpflichtgesetz für jede weitere Abgabe ein neues Rezept nötig. Planen Sie die Fortsetzung daher rechtzeitig.
Laut Gesundheitsportal haben Menschen mit Schizophrenie ein erhöhtes Suizidrisiko, besonders bei einer unbehandelten akuten Psychose und direkt nach der Entlassung aus dem Spital. Spricht jemand von Suizid, ist das immer ernst zu nehmen: Holen Sie ärztliche Hilfe und lassen Sie die Person nicht allein. Gespräche bietet die Telefonseelsorge unter 142 zu jeder Tages- und Nachtzeit, für Kinder und Jugendliche Rat auf Draht unter 147; in einer akuten Notlage alarmieren Sie die Rettung (144) oder den Euronotruf (112).
Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Was in Ihrem Fall richtig ist, klärt dieser Überblick nicht; das kann nur eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen.
Wie schnell wirkt Olanzapin?
Laut Fachinformation kann es mehrere Tage bis einige Wochen dauern, bis sich der klinische Zustand bessert. Schläfrigkeit und Schwindel gehören dagegen zu den häufigsten Nebenwirkungen. In der ersten Zeit ist deshalb eine engmaschige ärztliche Begleitung vorgesehen.
Wie viel nimmt man mit Olanzapin zu?
Das ist sehr unterschiedlich. Nach durchschnittlich 47 Behandlungstagen hatten 22,2 % der Behandelten mindestens 7 % ihres Ausgangsgewichts zugenommen, nach mindestens 48 Wochen waren es 64,4 %. Deshalb sieht die Fachinformation regelmäßige Gewichtskontrollen vor, anfangs alle vier Wochen.
Kann man Olanzapin zum Schlafen nehmen?
Nein. Olanzapin ist für Schizophrenie, manische Episoden und die Phasenprophylaxe bei bipolarer Störung zugelassen, nicht für Schlafstörungen. Die Schläfrigkeit ist eine Nebenwirkung und kein Anwendungsgebiet. Hinweise zu Schlafproblemen gibt die Seite Schlafstörungen.
Darf man mit Olanzapin Auto fahren?
Die Fachinformation warnt vor dem Autofahren und dem Bedienen von Maschinen, weil Olanzapin Schläfrigkeit und Schwindel verursachen kann. Ob und ab wann das Fahren wieder vertretbar ist, besprechen Sie mit der behandelnden Ordination.
Was passiert, wenn man Olanzapin plötzlich absetzt?
Selten treten akute Beschwerden wie Schwitzen, Schlaflosigkeit, Zittern, Angst, Übelkeit oder Erbrechen auf. Schwerer wiegt das Risiko eines Rückfalls der Grunderkrankung. Eine Dosisverringerung erfolgt deshalb schrittweise und nur nach Absprache mit der psychiatrischen Behandlung.
Warum braucht man unter Olanzapin Blutkontrollen?
Olanzapin kann Blutzucker, Cholesterin und Triglyzeride erhöhen, und ein Diabetes kann sich entwickeln oder verschlechtern. Die Fachinformation nennt deshalb Kontrollen zu Beginn, nach 12 Wochen und danach in festen Abständen. Bei erhöhten Leberwerten oder einer Lebererkrankung sieht die Fachinformation Nachuntersuchungen vor, bei niedrigen Werten weißer Blutkörperchen besondere Vorsicht.
Ist Olanzapin rezeptfrei?
Nein. Alle Olanzapin-Präparate sind in Österreich rezeptpflichtig und als Arzneimittel zur einmaligen Abgabe eingestuft, sodass ohne ausdrücklichen Vermerk auf dem Rezept für jede weitere Abgabe ein neues Rezept nötig ist.
- Fachinformation Olanzapin +pharma 10 mg Filmtabletten (BASG, Abschnitte 4.1 bis 4.8 und 5.1)
- Produktinformation Zyprexa (EMA, Abschnitte 4.4 und 4.8)
- Gesundheitsportal Österreich: Schizophrenie, Verlauf, Behandlung und Krisenplan
- Telefonseelsorge Österreich: Notruf 142, rund um die Uhr
- Rezeptpflichtgesetz, § 4: Gültigkeit und wiederholte Abgabe (RIS)
- Arzneispezialitätenregister BASG/AGES: Abgabestatus der Olanzapin-Präparate