Schilddrüsenüberfunktion: Symptome, Ursachen und Behandlung

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion bildet die Schilddrüse mehr Hormon, als der Körper braucht. Herzschlag, Blutdruck und Stoffwechsel geraten dadurch aus dem Gleichgewicht. Die häufigsten Ursachen sind die Basedow-Krankheit und die Schilddrüsenautonomie. Diese Seite erklärt typische Anzeichen, die Laborwerte, die Behandlungswege und die Warnzeichen, bei denen rasch gehandelt werden muss; die Behandlung selbst gehört in ärztliche Betreuung vor Ort.

Typische Symptome einer Überfunktion

Die überschüssigen Hormone treiben viele Körperfunktionen gleichzeitig an. Keines der folgenden Zeichen beweist für sich eine Überfunktion; treten mehrere neu und gemeinsam auf, sind sie aber ein Grund, sie in der hausärztlichen Ordination abklären zu lassen. Das Öffentliche Gesundheitsportal Österreichs nennt unter anderem diese möglichen Symptome:

  • Schneller oder unregelmäßiger Herzschlag und erhöhter Blutdruck
  • Gewichtsabnahme trotz Heißhunger
  • Nervosität, Gereiztheit, Zittern und vermehrtes Schwitzen
  • Schlafstörungen
  • Durchfall
  • Warme, feuchte Haut und dünnes Haar
  • Müdigkeit und Schwäche
  • Eine vergrößerte Schilddrüse

Laborwerte: was ein niedriger TSH-Wert bedeutet

Im Labor zeigt sich eine Überfunktion zuerst am TSH-Wert. Die Hirnanhangsdrüse nimmt ihr Steuerhormon zurück, wenn zu viel Schilddrüsenhormon im Blut ist; ein erniedrigter TSH-Wert ist deshalb ein Hinweis auf eine Überfunktion. Ist der Wert verändert, werden die freien Schilddrüsenhormone fT4 und fT3 bestimmt, und erhöhte Werte stützen den Verdacht. Schilddrüsenantikörper zeigen, ob eine Autoimmunreaktion wie bei der Basedow-Krankheit dahintersteht. Referenzbereiche und Einflussfaktoren beschreibt die Seite TSH-Wert.

Ein niedriger TSH-Wert allein ist noch keine Diagnose: Auch die frühe Schwangerschaft und eine zu hohe Dosis Schilddrüsenhormon können ihn senken. Zur weiteren Abklärung gehören je nach Befund ein Ultraschall, eine Schilddrüsenszintigraphie, eine Feinnadelpunktion oder bei Beschwerden an den Augen eine augenärztliche Untersuchung.

Ursachen: Basedow-Krankheit, Autonomie und seltenere Auslöser

Die häufigste Ursache ist die Basedow-Krankheit, eine Störung des Immunsystems: Antikörper im Blut regen die Schilddrüsenzellen zu vermehrter Hormonbildung an. Typisch für sie sind Veränderungen an den Augen, die hervortreten können, bis hin zu Doppelbildern, sowie Schwellungen an Unterschenkeln, Fingern oder Zehen.

Bei der Schilddrüsenautonomie bildet Schilddrüsengewebe Hormon unabhängig von der Steuerung durch die Hirnanhangsdrüse und vom Bedarf des Körpers. Das kann ein einzelner Knoten sein, es können mehrere Knoten, ein Teilbereich oder über die ganze Drüse verteilte Bereiche sein.

Seltener steckt eine Entzündung dahinter. Bei einer subakuten Schilddrüsenentzündung (de Quervain) kann es im akuten Stadium zu einer Überfunktion kommen, ebenso bei einer Entzündung einige Wochen oder Monate nach einer Geburt, bei der gespeicherte Hormone ins Blut gelangen. Auch das Herzmedikament Amiodaron, eine zu hohe Dosis Schilddrüsenhormon und die frühe Schwangerschaft können eine Überfunktion auslösen.

Jod spielt eine besondere Rolle. Dem Speisesalz wird in Österreich seit Jahrzehnten Jod zugesetzt, um Jodmangel vorzubeugen. Bei Basedow-Krankheit und Autonomie ist dagegen auf eine eingeschränkte Jodzufuhr zu achten, und bei jodhaltigen Arzneimitteln und Kontrastmitteln ist besondere Vorsicht geboten. Sagen Sie deshalb vor jeder Untersuchung mit jodhaltigem Röntgenkontrastmittel, dass Sie eine Überfunktion haben oder hatten; laut Fachinformation von Thiamazol kann dann vorbeugend ein Thyreostatikum gegeben werden.

Behandlung: Medikamente, Radiojod oder Operation

Welche Behandlung passt, hängt von der Ursache, vom Ausmaß der Überfunktion, von der Schilddrüse selbst und von einer Schwangerschaft ab. Eine nur gering ausgeprägte Überfunktion kann auch ohne Therapie abklingen. Die Entscheidung trifft die betreuende Ordination, oft gemeinsam mit einer Schilddrüsenambulanz oder einer fachärztlichen Ordination für Nuklearmedizin oder Innere Medizin. Die Übersicht fasst die Wege so zusammen, wie sie das Gesundheitsportal und die Fachinformationen beschreiben:

BehandlungWann sie eingesetzt wirdWas zu wissen ist
Thyreostatika, etwa Thiamazol oder Propylthiouracilerste Behandlung bei Basedow-Krankheit; bei Autonomie zur Überbrückung bis zur endgültigen BehandlungBehandlung meist über 6 Monate bis 2 Jahre, im Mittel ein Jahr; eine dauerhafte Heilung gelingt laut Gesundheitsportal in rund der Hälfte der Fälle, laut Fachinformation nach einem Jahr höchstens in der Hälfte; regelmäßige Blutkontrollen sind nötig
RadiojodtherapieAutonomie, Rückfall einer Basedow-Krankheiteine Kapsel mit radioaktivem Jod wird geschluckt; die volle Wirkung zeigt sich laut Gesundheitsportal nach drei bis sechs Monaten; in der Schwangerschaft ausgeschlossen
OperationAutonomie, Rückfall einer Basedow-Krankheit, je nach Befundin Vollnarkose wird die ganze Schilddrüse, ein Lappen, ein Teilbereich oder selten ein einzelner Knoten entfernt
BetablockerHerzrasen und Zitternlindern Beschwerden ergänzend oder bis die eigentliche Behandlung wirkt, behandeln die Überfunktion selbst aber nicht

Warnzeichen unter Thyreostatika

Thyreostatika sind wirksam, haben aber seltene, ernste Nebenwirkungen, die Sie kennen sollten. Die wichtigste ist ein starker Abfall der weißen Blutkörperchen, die Agranulozytose. Laut Fachinformation von Thiamazol tritt sie bei etwa 0,3 bis 0,6 Prozent der Behandelten auf, meist in den ersten Behandlungswochen, manchmal aber auch Monate nach Beginn. Warnzeichen sind Fieber, Halsschmerzen und Entzündungen der Mundschleimhaut. Treten sie auf, suchen Sie unverzüglich ärztliche Hilfe auf und lassen das Blutbild kontrollieren, statt die Beschwerden als gewöhnlichen Infekt abzuwarten.

Für Propylthiouracil beschreibt die Fachinformation zusätzlich schwere Leberreaktionen, darunter tödliche Verläufe und Fälle, die eine Lebertransplantation erforderten, meist in den ersten sechs Monaten der Behandlung. Vor und während der Therapie werden deshalb Schilddrüsenwerte, Blutbild sowie Leber- und Nierenwerte regelmäßig kontrolliert. Unter Thiamazol ist außerdem eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse beschrieben; in diesem Fall wird das Präparat abgesetzt.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen unter Thiamazol zuverlässig verhüten. Der Wirkstoff gelangt über die Plazenta zum ungeborenen Kind, und es besteht der Verdacht, dass er vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel und in hoher Dosis Fehlbildungen auslösen kann. Eine geplante oder eingetretene Schwangerschaft gehört deshalb früh in die fachärztliche Betreuung.

Thyreotoxische Krise: wann es ein Notfall ist

Selten entgleist eine Überfunktion zu einer thyreotoxischen Krise, einem lebensbedrohlichen Zustand. Mögliche Auslöser sind die Basedow-Krankheit sowie jodhaltige Arzneimittel oder Röntgenkontrastmittel. Zu den Beschwerden der Überfunktion kommen hohes Fieber, Erbrechen, starke Unruhe und Angst, Bewusstseinsstörungen bis zum Koma, Herzrhythmusstörungen und Kreislaufversagen hinzu. Wählen Sie in diesem Fall den Notruf 144: Die Krise wird notärztlich und anschließend auf einer Intensivstation behandelt.

Auch ohne Krise gehören anhaltendes Herzrasen oder ein unregelmäßiger Puls zeitnah ärztlich abgeklärt; bei Brustschmerz oder Atemnot wählen Sie den Notruf 144. Unbehandelt erhöht eine Überfunktion das Risiko für Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern und für Osteoporose. Wenn die Ordinationen geschlossen haben, helfen die Gesundheitsberatung 1450 und der Ärztefunkdienst 141 weiter.

Überdosierung von Levothyroxin

Eine Überfunktion kann auch von außen entstehen, wenn mehr Schilddrüsenhormon eingenommen wird als nötig. Die Zeichen gleichen denen einer Überfunktion: Herzklopfen, Herzrasen, innere Unruhe, Schlaflosigkeit, Zittern, Schwitzen, Durchfall und Gewichtsabnahme. Die Fachinformation von Euthyrox sieht in diesem Fall vor, die Tagesdosis zu verringern oder die Einnahme für einige Tage zu unterbrechen; wie genau, entscheidet die behandelnde Ordination anhand eines aktuellen Werts. Woran man eine unpassende Dosis erkennt und wie die Einnahme gelingt, beschreibt der Beitrag Levothyroxin richtig einnehmen.

Zum Abnehmen ist Levothyroxin nicht geeignet. Bei normaler Schilddrüsenfunktion führt es laut Fachinformation nicht zu einer Gewichtsabnahme, und höhere Dosen können schwerwiegende oder sogar lebensbedrohliche Nebenwirkungen verursachen.

Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt

In der Frühschwangerschaft regt das Schwangerschaftshormon hCG die Schilddrüse an. Die dadurch ausgelöste Überfunktion verläuft meist mild und bildet sich ohne Medikamente zurück; bei Herzrasen oder Zittrigkeit kann ein niedrig dosierter Betablocker nötig sein. Liegt dagegen eine Basedow-Krankheit vor, ist eine Behandlung mit einem Thyreostatikum erforderlich, laut Fachinformation nach strenger Abwägung von Nutzen und Risiko, in der niedrigsten wirksamen Dosis und unter engmaschiger Kontrolle von Mutter und Kind. Eine Radiojodtherapie ist in der Schwangerschaft ausgeschlossen.

Nach einer Geburt kann sich die Schilddrüse entzünden. Am Anfang kann eine Überfunktion stehen, die meist vorübergeht und nicht behandelt werden muss. Danach heilt die Entzündung aus oder geht in eine meist dauerhafte Unterfunktion über, die mit Levothyroxin ausgeglichen wird; mehr dazu auf der Seite Schilddrüsenunterfunktion.

Wohin Sie sich wenden

Erste Anlaufstelle bei Beschwerden der Schilddrüse ist die hausärztliche Ordination. Sie veranlasst die Untersuchungen und überweist bei Bedarf in eine fachärztliche Ordination für Nuklearmedizin oder Innere Medizin oder an eine Schilddrüsenambulanz. Notwendige Untersuchungen und Behandlungen übernimmt der zuständige Sozialversicherungsträger über die e-card; für einzelne Leistungen kann ein Selbstbehalt anfallen.

Eine Online-Anfrage über diese Website ist für die Behandlung einer Überfunktion nicht vorgesehen. Thyreostatika brauchen regelmäßige Blutkontrollen und eine Betreuung vor Ort, die ein Fragebogen nicht ersetzen kann. Diese Seite ist eine Information und kein Angebot.

Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Was in Ihrem Fall richtig ist, klärt dieser Überblick nicht; das kann nur eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen.

Was sind die ersten Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion?

Typisch sind Herzklopfen oder ein schneller Puls, innere Unruhe, Zittern, vermehrtes Schwitzen, Schlafstörungen und eine Gewichtsabnahme trotz Hunger. Keines dieser Zeichen ist für sich beweisend. Klarheit bringt eine Blutabnahme mit TSH und den freien Schilddrüsenhormonen.

Welcher TSH-Wert spricht für eine Überfunktion?

Ein Wert unterhalb des Referenzbereichs, den Ihr Labor auf dem Befund angibt; Orientierungswerte mit Quelle zeigt die Seite TSH-Wert. Entscheidend ist die Kombination mit den freien Schilddrüsenhormonen: Sind fT4 oder fT3 erhöht, stützt das den Verdacht. Ein niedriger Wert kann auch andere Gründe haben, etwa eine frühe Schwangerschaft oder eine zu hohe Dosis Levothyroxin.

Ist eine Schilddrüsenüberfunktion heilbar?

Bei der Basedow-Krankheit führt eine Behandlung mit Thyreostatika laut Gesundheitsportal in rund der Hälfte der Fälle zu einer dauerhaften Heilung; kehrt sie zurück, folgen Radiojod oder eine Operation. Bei einer Autonomie bremsen Medikamente die Überfunktion nur bis zur endgültigen Behandlung. Wird die ganze Schilddrüse entfernt, ist laut Fachinformation von Euthyrox meist eine lebenslange Einnahme von Levothyroxin nötig.

Muss ich bei einer Überfunktion auf Jod verzichten?

Bei Basedow-Krankheit und Autonomie ist laut Gesundheitsportal auf eine eingeschränkte Jodzufuhr zu achten; wie streng, legt die betreuende Ordination fest. Besondere Vorsicht gilt bei jodhaltigen Arzneimitteln und Röntgenkontrastmitteln. Sagen Sie vor einer Untersuchung mit Kontrastmittel, dass Sie eine Überfunktion haben oder hatten.

Nimmt man unter Thyreostatika zu?

Das ist möglich und in der Regel erwünscht. Laut Fachinformation von Thiamazol normalisiert sich mit der Behandlung der krankhaft gesteigerte Energieverbrauch, sodass das Körpergewicht wieder ansteigen kann.

Warum wird bei Thiamazol das Blutbild kontrolliert?

Weil es selten zu einem starken Abfall der weißen Blutkörperchen kommen kann, laut Fachinformation bei etwa 0,3 bis 0,6 Prozent der Behandelten, meist in den ersten Wochen. Bei Fieber, Halsschmerzen oder Entzündungen im Mund lassen Sie das Blutbild ohne Aufschub ärztlich kontrollieren.

Kann ich ein Thyreostatikum online verordnen lassen?

Nein. Für die Behandlung einer Überfunktion ist eine Online-Anfrage über diese Website nicht vorgesehen, weil sie regelmäßige Blutkontrollen und eine Betreuung vor Ort braucht. Wenden Sie sich an die hausärztliche Ordination oder an eine Schilddrüsenambulanz.