Duloxetin bei Depression, Angststörung und Nervenschmerzen

Duloxetin ist ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SNRI, und in Österreich bei Depression, generalisierter Angststörung und Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie zugelassen. Alle Präparate sind rezeptpflichtig. Diese Seite fasst Dosierung, Nebenwirkungen, Warnhinweise und das schrittweise Absetzen nach der Fachinformation zusammen. Ein Rezept für Duloxetin stellen wir online nicht aus.

Wofür Duloxetin zugelassen ist

Laut Fachinformation (Abschnitt 4.1) ist Duloxetin bei Erwachsenen für drei Anwendungsgebiete zugelassen: depressive Erkrankungen im Sinne einer Major Depression, die generalisierte Angststörung und Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie, also Nervenschmerzen als Folge eines Diabetes. Andere Schmerzformen nennt die österreichische Fachinformation nicht als Anwendungsgebiet.

Duloxetin hemmt die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin in die Nervenzellen. Das Gesundheitsportal ordnet solche Wirkstoffe als eigene Gruppe neben den SSRI ein, die nur auf Serotonin wirken. Die Fachinformation hält es für möglich, dass ein Blutdruckanstieg unter Duloxetin auf die Wirkung auf Noradrenalin zurückgeht. Einen Überblick über die Gruppen der Antidepressiva gibt die Seite Depression und Psyche.

In Österreich gibt es Duloxetin von zahlreichen Herstellern, überwiegend als magensaftresistente Hartkapseln mit 30 und 60 mg, bei einem Hersteller auch mit 90 und 120 mg. Für das Originalpräparat Cymbalta ist laut Arzneispezialitätenregister die Einstellung des Inverkehrbringens gemeldet. Weil Duloxetin unter anderen Handelsnamen auch gegen Belastungsharninkontinenz eingesetzt wird, warnt Abschnitt 4.4 davor, mehr als ein Duloxetin-Präparat gleichzeitig anzuwenden.

Dosierung laut Fachinformation

Duloxetin wird in der Regel einmal täglich eingenommen, unabhängig von den Mahlzeiten; die Dosis hängt vom Anwendungsgebiet ab. Bei einer Lebererkrankung mit eingeschränkter Leberfunktion und bei schwerer Nierenfunktionseinschränkung mit einer Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min darf Duloxetin nicht angewendet werden, bei leichter bis mittelschwerer Nierenfunktionsstörung ist keine Anpassung nötig. Für ältere Menschen gilt besondere Vorsicht bei der Tagesdosis von 120 mg, weil dazu nur begrenzte Daten vorliegen. Zur Behandlung einer Depression bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren darf Duloxetin nicht angewendet werden.

Bei Depressionen zeigt sich ein Ansprechen normalerweise nach 2 bis 4 Wochen. Nach Stabilisierung wird die Behandlung einige Monate weitergeführt, um einen Rückfall zu vermeiden; bei wiederholten Episoden kann eine Langzeitbehandlung mit 60 bis 120 mg erwogen werden. Bei Nervenschmerzen wird die Wirksamkeit nach 2 Monaten beurteilt, danach wird der Nutzen mindestens alle drei Monate überprüft.

AnwendungsgebietBeginnÜbliche DosisHinweis zur Höchstdosis
Depression60 mg einmal täglich60 mg einmal täglichbis 120 mg täglich untersucht; kein Beleg, dass eine Erhöhung bei fehlendem Ansprechen hilft
Generalisierte Angststörung30 mg einmal täglich, bei zusätzlicher Depression 60 mg60 mg einmal täglichbei unzureichendem Ansprechen 90 oder 120 mg möglich
Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie60 mg einmal täglich60 mg einmal täglichbis 120 mg täglich, auf zwei gleich große Gaben verteilt, untersucht

Warnhinweis: Suizidgedanken zu Behandlungsbeginn und nach Dosisänderung

Abschnitt 4.4 der Fachinformation verlangt bei Depression und generalisierter Angststörung dieselben Vorsichtsmaßnahmen. Depressive Erkrankungen gehen mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken, selbstschädigendes Verhalten und Suizid einher, bis eine deutliche Besserung eintritt, und zu Beginn einer Behandlung kann das Risiko zunächst steigen; andere psychische Erkrankungen können ebenso mit einem erhöhten Risiko verbunden sein. In einer Meta-Analyse placebokontrollierter Studien hatten Erwachsene unter 25 Jahren unter Antidepressiva ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten im Vergleich zu Placebo. Engmaschig begleitet werden deshalb vor allem die ersten Wochen und jede Phase nach einer Dosisanpassung. Auch bei der Behandlung von Nervenschmerzen sind vereinzelt Suizidgedanken berichtet worden.

Achten Sie selbst und Ihre Angehörigen auf Verschlechterungen, auf neue innere Unruhe und auf ungewöhnliche Veränderungen im Verhalten, und holen Sie in diesem Fall unverzüglich ärztlichen Rat ein. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, ist die Telefonseelsorge Tag und Nacht kostenlos unter der Nummer 142 da; Kinder und Jugendliche erreichen Rat auf Draht unter 147. Bei akuter Lebensgefahr gilt der Notruf: Rettung 144 oder Euronotruf 112.

Nebenwirkungen von Duloxetin

Am häufigsten berichtet werden laut Abschnitt 4.8 Übelkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Schläfrigkeit und Schwindel. Diese Beschwerden sind überwiegend leicht bis mittelschwer, treten meist zu Behandlungsbeginn auf und verschwinden häufig auch bei fortgesetzter Einnahme. Häufig sind außerdem unter anderem verminderter Appetit und Gewichtsabnahme, Schlaflosigkeit, innere Unruhe und Angst, vermehrtes Schwitzen, Verstopfung oder Durchfall, Zittern, verschwommenes Sehen, Herzklopfen, Müdigkeit sowie sexuelle Funktionsstörungen wie verminderte Libido, Orgasmusstörungen und Erektions- oder Ejakulationsstörungen. Bei Menschen über 65 Jahren traten Stürze häufiger auf.

Manche Wirkungen reichen über die erste Zeit hinaus. Sexuelle Funktionsstörungen können laut Abschnitt 4.4 in Einzelfällen auch nach dem Absetzen anhalten. Duloxetin kann das Blutungsrisiko erhöhen, besonders zusammen mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln, Acetylsalicylsäure oder Blutverdünnern. Ein niedriger Natriumwert ist vor allem bei älteren Menschen beschrieben; besondere Vorsicht gilt außerdem bei Leberzirrhose, Flüssigkeitsmangel und unter Entwässerungsmitteln. Leberschäden bis zur Hepatitis traten meist in den ersten Behandlungsmonaten auf, eine Gelbfärbung von Haut oder Augen ist deshalb ein Grund, sich umgehend zu melden.

Weil Müdigkeit und Schwindel auftreten können, sollen Betroffene laut Abschnitt 4.7 das Lenken von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen meiden, solange diese Beschwerden bestehen.

Blutdruck unter Duloxetin

Ein Blutdruckanstieg ist laut Abschnitt 4.8 eine häufige Nebenwirkung, und es sind Fälle hypertensiver Krisen beschrieben, besonders bei bereits bestehendem Bluthochdruck. Bei unkontrolliertem Bluthochdruck darf eine Behandlung mit Duloxetin deshalb nicht begonnen werden. Wer bereits Bluthochdruck oder eine andere Herzerkrankung hat, braucht laut Abschnitt 4.4 eine angemessene Überwachung des Blutdrucks, vor allem im ersten Behandlungsmonat. Bleibt der Blutdruck unter Duloxetin erhöht, wird eine niedrigere Dosis oder ein schrittweises Absetzen erwogen. Wie die Kontrollen ablaufen, legt die behandelnde Ordination fest; welche Werte als erhöht gelten, erklärt die Seite Bluthochdruck.

Absetzen: langsam und über mindestens zwei Wochen

Duloxetin wird nicht abrupt abgesetzt. Laut Abschnitt 4.2 wird die Dosis über mindestens 2 Wochen schrittweise verringert. In klinischen Studien traten nach einem abrupten Behandlungsabbruch bei etwa 45 % der mit Duloxetin Behandelten unerwünschte Ereignisse auf, unter Placebo bei 23 % (Abschnitt 4.4). Am häufigsten sind Schwindel, Missempfindungen bis hin zu Empfindungen ähnlich einem elektrischen Schlag, vor allem im Kopf, Schlafstörungen mit intensiven Träumen, Müdigkeit, Unruhe oder Ängstlichkeit, Übelkeit oder Erbrechen, Zittern, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Reizbarkeit, Durchfall und vermehrtes Schwitzen.

Die Beschwerden beginnen meist in den ersten Tagen nach dem Absetzen und klingen gewöhnlich innerhalb von zwei Wochen ab; bei manchen Menschen dauern sie zwei bis drei Monate oder länger. Sehr selten traten sie schon nach einer einzigen versehentlich ausgelassenen Dosis auf. Sind die Symptome nicht tolerierbar, ist laut Fachinformation eine Rückkehr zur vorherigen Dosis zu erwägen, danach wird in langsameren Schritten verringert. Wie ein Ausschleichen in der Praxis aussieht, beschreibt der Beitrag Antidepressiva absetzen.

Wechselwirkungen und Alkohol

Nicht kombiniert werden darf Duloxetin mit nichtselektiven, irreversiblen MAO-Hemmern. Nach dem Ende einer solchen Behandlung müssen mindestens 14 Tage vergehen, bevor Duloxetin begonnen wird, nach Duloxetin mindestens 5 Tage bis zum MAO-Hemmer. Ebenfalls ausgeschlossen sind starke CYP1A2-Hemmer wie Fluvoxamin, Ciprofloxacin und Enoxacin; unter Fluvoxamin stieg die Menge an Duloxetin im Blut in einer Studie auf das Sechsfache. Moclobemid wird nicht empfohlen, und das Antibiotikum Linezolid darf während der Behandlung nicht gegeben werden.

Vorsicht gilt bei anderen serotonerg wirkenden Mitteln wie SSRI, trizyklischen Antidepressiva, Triptanen gegen Migräne, Tramadol, Pethidin, Buprenorphin, Tryptophan und Johanniskraut, weil ein Serotonin-Syndrom entstehen kann. Duloxetin hemmt außerdem das Enzym CYP2D6 mäßig, was bei Wirkstoffen mit geringer therapeutischer Breite wie Metoprolol, Flecainid oder Propafenon eine Rolle spielt. Bei Rauchern war die Duloxetin-Konzentration um nahezu 50 % niedriger als bei Nichtrauchern.

Bei Alkohol rät die Fachinformation zur Vorsicht, ebenso bei Beruhigungs- und Schlafmitteln, Opioiden und anderen zentral wirksamen Substanzen, weil zu solchen Kombinationen keine systematischen Untersuchungen vorliegen.

Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft darf Duloxetin laut Abschnitt 4.6 nur eingenommen werden, wenn der mögliche Nutzen das Risiko für das Kind rechtfertigt. Zwei große Beobachtungsstudien zeigten kein insgesamt erhöhtes Risiko für schwere Fehlbildungen. In der europäischen Studie war eine Einnahme ab der 20. Schwangerschaftswoche mit einem höheren Risiko für Frühgeburten verbunden, etwa 6 zusätzliche Frühgeburten auf 100 behandelte Frauen; Daten aus den USA zeigen ein erhöhtes Risiko für Blutungen nach der Geburt, wenn Duloxetin im Monat davor eingenommen wurde. Nimmt die Mutter Duloxetin kurz vor der Entbindung, kann das Neugeborene Entzugssymptome zeigen. In der Stillzeit wird Duloxetin nicht empfohlen. Wer eine Schwangerschaft plant, bespricht das früh mit der behandelnden Ordination, statt die Einnahme selbst zu beenden.

Warum es hier kein Online-Rezept gibt

Duloxetin gehört zu den Antidepressiva, und diese beurteilen wir derzeit nicht online, auch dann nicht, wenn eine Behandlung bereits läuft. Zu Duloxetin gibt es auf dieser Seite daher nichts anzufragen. Blutdruckkontrollen im ersten Monat, die Beobachtung der Stimmung zu Beginn und die Planung eines langsamen Absetzens setzen eine Betreuung voraus, die ein schriftlicher Fragebogen nicht leisten kann.

Alle Duloxetin-Präparate sind in Österreich rezeptpflichtig und im Arzneispezialitätenregister als Arzneimittel zur einmaligen Abgabe eingestuft. Für solche Arzneimittel gilt ein Wiederholungsverbot: Laut § 4 Abs. 2 Rezeptpflichtgesetz darf die Apotheke auf dasselbe Rezept nur dann erneut abgeben, wenn der Verschreibende die wiederholte Abgabe auf dem Rezept ausdrücklich angeordnet hat. Ohne diesen Vermerk ist für jede weitere Abgabe ein neues Rezept nötig. Planen Sie die Fortsetzung daher rechtzeitig mit Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder der psychiatrischen Ordination, die Sie behandelt.

Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Was in Ihrem Fall richtig ist, klärt dieser Überblick nicht; das kann nur eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen.

Wie schnell wirkt Duloxetin?

Bei Depressionen zeigt sich ein Ansprechen laut Fachinformation normalerweise nach 2 bis 4 Wochen, während Nebenwirkungen wie Übelkeit meist schon zu Behandlungsbeginn auftreten. Bei Nervenschmerzen durch Diabetes wird die Wirkung nach 2 Monaten beurteilt; wer bis dahin nicht ausreichend anspricht, profitiert laut Fachinformation danach wahrscheinlich nicht mehr wesentlich.

Hilft Duloxetin bei Nervenschmerzen?

Zugelassen ist Duloxetin in Österreich für Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie, also Nervenschmerzen als Folge eines Diabetes. Andere Schmerzformen nennt die Fachinformation nicht als Anwendungsgebiet. Der Nutzen wird laut Fachinformation mindestens alle drei Monate überprüft.

Kann man Duloxetin einfach absetzen?

Nein. Die Dosis wird über mindestens zwei Wochen schrittweise verringert. Nach einem abrupten Abbruch traten in Studien bei etwa 45 % der Behandelten Beschwerden wie Schwindel, stromschlagartige Missempfindungen, Schlafstörungen oder Übelkeit auf, unter Placebo bei 23 %.

Nimmt man mit Duloxetin zu oder ab?

Laut Fachinformation sind verminderter Appetit und Gewichtsabnahme häufige Nebenwirkungen, eine Gewichtszunahme ist gelegentlich beschrieben. Wie sich das Gewicht im Einzelfall entwickelt, hängt auch von der Erkrankung selbst ab und gehört bei deutlichen Veränderungen ärztlich besprochen.

Darf man unter Duloxetin Alkohol trinken?

Die Fachinformation rät bei Alkohol zur Vorsicht, weil zu Kombinationen mit zentral wirksamen Substanzen keine systematischen Untersuchungen vorliegen. Da Duloxetin selbst Schläfrigkeit und Schwindel verursachen kann, ist Zurückhaltung sinnvoll, besonders vor dem Autofahren.

Erhöht Duloxetin den Blutdruck?

Das ist möglich. Ein Blutdruckanstieg ist eine häufige Nebenwirkung, und hypertensive Krisen sind beschrieben, vor allem bei bestehendem Bluthochdruck. Bei unkontrolliertem Bluthochdruck wird Duloxetin nicht begonnen, und im ersten Behandlungsmonat ist der Blutdruck besonders zu überwachen.

Ist Duloxetin rezeptfrei erhältlich?

Nein. Alle Präparate mit Duloxetin sind in Österreich rezeptpflichtig. Sie sind außerdem als Arzneimittel zur einmaligen Abgabe eingestuft: Ohne ausdrücklichen Vermerk auf dem Rezept ist für jede weitere Abgabe ein neues Rezept nötig.