Niedriger Blutdruck: Was tun, wenn der Kreislauf schwächelt?

Von niedrigem Blutdruck, der Hypotonie, spricht man meist ab einem oberen Wert unter 100 mmHg. Krank ist man damit nur, wenn der Druck Beschwerden macht; viele Menschen mit niedrigen Werten sind gesund. Hier lesen Sie, welche Formen es gibt, woran man sie erkennt, was im Moment und im Alltag hilft und was gilt, wenn Blutdrucksenker den Druck zu stark senken.

Ab welchem Wert ist der Blutdruck zu niedrig?

Fachleute sprechen von Hypotonie, wenn der obere Wert unter 100 mmHg liegt; das Lexikon des Gesundheitsportals nennt als Grenze 100 bis 110 mmHg oben und 60 mmHg unten. Eine Krankheit ist ein niedriger Blutdruck aber erst, wenn er für die Durchblutung der inneren Organe nicht mehr ausreicht und dadurch Beschwerden entstehen. Wer ohne Beschwerden niedrige Werte misst, ist nicht krank.

Einzelne niedrige Werte kommen auch bei gesunder Regulation vor: Laut ÖGH liegen durchaus einzelne Messungen unter 115/70 mmHg. Aussagekräftiger als ein Einzelwert ist, wann die Beschwerden auftreten, ob dauerhaft, nach dem Essen oder beim Aufstehen. Die Grenzen für zu hohen Blutdruck finden Sie unter /ratgeber/blutdruckwerte/.

Beim Blutdruckabfall im Stehen, der orthostatischen Hypotonie, zählt weniger der Ruhewert als die Frage, wie stark der Druck beim Aufstehen sinkt; die Werte können sonst normal oder sogar erhöht sein. Festgestellt wird das mit Messungen in verschiedenen Körperlagen.

Formen: primär, sekundär und orthostatisch

Bei dauerhaft niedrigem Blutdruck lässt sich meist keine Ursache finden. Daneben gibt es Formen, hinter denen eine Erkrankung oder ein Medikament steckt, und solche, bei denen der Druck nur in bestimmten Situationen abfällt. Die Übersicht folgt gesundheit.gv.at:

FormWas dahinterstecktTypisch
Primäre (essenzielle) Hypotoniekeine fassbare Ursache, tritt familiär gehäuft aufvor allem junge, schlanke Frauen; in der Regel harmlos
Sekundäre HypotonieErkrankungen wie Herzschwäche, Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes oder neurologische Leiden; Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen oder Durchfall, starker Blutverlust, Fieber; Medikamente wie Blutdrucksenker oder Antidepressivabehandelt wird die Ursache; gelegentlich auch in der Schwangerschaft
Orthostatische Hypotonieder Druck fällt nur beim Aufstehen oder langen Stehen ab, das Blut versackt in den Beinen und das Gehirn wird kurz zu wenig durchblutetbesonders häufig ab 65 Jahren, auch bei sonst normalem oder hohem Blutdruck
Postprandiale Hypotoniestarker Abfall nach dem Essen, eine Sonderform der orthostatischen Hypotonievor allem ältere Menschen

Symptome bei niedrigem Blutdruck

Viele Menschen mit niedrigem Blutdruck haben keine Beschwerden, bei anderen schränken wiederkehrende Symptome die Lebensqualität deutlich ein. Fällt der Druck im Stehen ab, kommt es zu Schwindel und Benommenheit, zu Sehstörungen bis zum Schwarzwerden vor den Augen, zu Kopf- und Nackenschmerzen und manchmal zu einer kurzen Ohnmacht; die Beschwerden bessern sich, sobald man sich setzt oder hinlegt. Durch Schwindel und Ohnmacht kann man stürzen und sich schwer verletzen. Eine orthostatische Hypotonie erhöht außerdem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und Depression.

Allgemein nennt gesundheit.gv.at bei niedrigem Blutdruck unter anderem:

  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit und eine lange Anlaufzeit am Morgen
  • Konzentrationsprobleme
  • Kalte Hände und Füße
  • Schwindel, Kopf- und Nackenschmerzen
  • Herzklopfen und Ohrensausen
  • Innere Unruhe, Schlafstörungen und gedrückte Stimmung

Was im Moment hilft

Wird Ihnen beim Aufstehen schwindlig oder schwarz vor Augen, setzen oder legen Sie sich hin; die Beschwerden lassen dann in der Regel nach. Stehen Sie danach langsam und nicht ruckartig auf. Müssen Sie länger stehen, kann es helfen, die Beine zu überkreuzen. Am Morgen beugt ein Glas Wasser vor dem Aufstehen Beschwerden vor, ebenso ein zusätzlicher Polster, damit Sie mit erhöhtem Oberkörper schlafen.

Kein Fall für Hausmittel ist eine Bewusstlosigkeit, die nicht rasch endet, eine Ohnmacht mit Verletzung oder ein Kreislaufproblem zusammen mit Brustschmerz oder Atemnot: Dann rufen Sie die Rettung unter 144. Wer nach einer kurzen Ohnmacht wieder wach und unverletzt ist, sollte das Ereignis trotzdem ärztlich abklären lassen, weil eine Synkope auch andere Ursachen als den Blutdruck haben kann.

Hausmittel und Alltag: was langfristig hilft

Bei primärer Hypotonie ist eine Behandlung nur bei Beschwerden nötig. Dann stehen einfache allgemeine Maßnahmen im Vordergrund, denn die Wirksamkeit von Medikamenten ist laut gesundheit.gv.at nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Für Menschen mit Neigung zum Blutdruckabfall im Stehen nennt die Fachinformation von Effortil-Tropfen zusätzlich konkrete Mengen, die in der Liste vermerkt sind.

Mehr Salz und Flüssigkeit sind allerdings nicht für alle geeignet: Wer zugleich Bluthochdruck, eine Herzschwäche oder eine Nierenerkrankung hat, bespricht Trinkmenge und Salz vorher ärztlich. Empfohlen werden:

  • Regelmäßige Bewegung und Ausdauersport wie Schwimmen, Laufen oder Gymnastik
  • Wechselduschen mit warmem und kaltem Wasser oder eine Kneippkur
  • Kompressionsstrümpfe
  • Genug trinken: gesundheit.gv.at nennt zwei bis drei Liter täglich, die Effortil-Fachinformation 2 bis 2,5 Liter Wasser
  • Ausreichend Salz, etwa eine gut gesalzene Suppe; die Effortil-Fachinformation nennt bis zu 8 g Kochsalz pro Tag
  • Kleinere, dafür häufigere Mahlzeiten, wenn die Beschwerden nach dem Essen auftreten
  • Hitze meiden: Sauna, heiße Bäder und heiße Duschen

Niedriger Blutdruck durch Blutdrucksenker

Blutdrucksenker gehören, ebenso wie Antidepressiva, zu den bekannten Auslösern eines zu niedrigen Blutdrucks, vor allem beim Aufstehen. Die wichtigste Regel lautet dann: nicht eigenmächtig absetzen. Ohne die Tabletten steigt der Blutdruck wieder, und bei Betablockern und Clonidin warnt die ÖGH ausdrücklich vor einem plötzlichen Stopp, weil der Druck ein bis zwei Tage später übermäßig stark ansteigen kann.

Die ÖGH unterscheidet: Ein einzelner niedriger Wert, oben um oder unter 100 mmHg, ohne Beschwerden ist kein Anlass, eine Tablette wegzulassen. Kommen Schwindel oder Kollapsneigung dazu, besprechen Sie das weitere Vorgehen zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Liegen die Werte immer wieder in diesem Bereich, wird die Behandlung in Absprache zurückgenommen; laut gesundheit.gv.at kann die Dosis verändert oder das Präparat gewechselt werden.

Älteren Menschen mit Schwindel oder Fallneigung beim Aufstehen empfiehlt die ÖGH, gelegentlich auch im Stehen zu messen. Notieren Sie dazu Uhrzeit und Abstand zur Tabletteneinnahme. Die ESC-Leitlinie 2024 lässt bei Beschwerden durch Blutdruckabfall im Stehen ein weniger strenges Blutdruckziel zu. Warum die Behandlung des Bluthochdrucks trotzdem wichtig bleibt, erklärt /ratgeber/bluthochdruck/; wie nach einer Dosisänderung kontrolliert wird, steht unter /blog/blutdruck-kontrollen-at/.

Wann niedriger Blutdruck abgeklärt werden sollte

Fachleute raten, wiederkehrende Beschwerden ärztlich abklären zu lassen, besonders nach mehreren kurzen Ohnmachten oder Stürzen. Abklärungsbedürftig ist auch ein Blutdruckabfall, der neu auftritt, etwa nach Beginn oder Änderung einer Medikation, bei heftigem Erbrechen oder Durchfall oder bei Verdacht auf Blutverlust.

In der Ordination werden Blutdruck und Puls mehrmals im Liegen, Sitzen und Stehen gemessen. Je nach Fall folgen eine 24-Stunden-Messung, Blut- und Ultraschalluntersuchungen, um etwa Schilddrüse, Herz oder Diabetes als Ursache zu prüfen, oder eine Kipptischuntersuchung: Dabei liegt man angeschnallt auf einem Tisch, der in verschiedene Positionen gekippt wird, während Blutdruck, Puls und EKG aufgezeichnet werden. Erste Anlaufstelle ist eine Ordination für Allgemeinmedizin, bei Bedarf eine für Innere Medizin; für eine erste telefonische Einschätzung steht die Gesundheitsberatung 1450 zur Verfügung.

Medikamente gegen niedrigen Blutdruck

Medikamente sind die Ausnahme. Für die symptomatische orthostatische Hypotonie gibt es in Österreich rezeptpflichtige Präparate, etwa Effortil-Tropfen mit dem Wirkstoff Etilefrin. Laut Fachinformation kommen sie nur infrage, wenn einfache Maßnahmen wie mehr Flüssigkeit und körperliche Gegenmanöver allein nicht ausreichen. Die Notwendigkeit der Einnahme ist ärztlich regelmäßig zu überprüfen, spätestens nach sechs Monaten.

Zu den Gegenanzeigen zählen unter anderem Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen mit schnellem Puls, koronare Herzkrankheit, Herzschwäche, eine Schilddrüsenüberfunktion, ein Engwinkelglaukom und Blasenentleerungsstörungen mit Restharn, etwa bei vergrößerter Prostata. Ob ein solches Mittel sinnvoll ist, lässt sich deshalb nur nach einer Abklärung in der Ordination entscheiden.

Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Was in Ihrem Fall richtig ist, klärt dieser Überblick nicht; das kann nur eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen.

Ist niedriger Blutdruck gefährlich?

Meistens nicht. Ohne Beschwerden ist ein niedriger Blutdruck keine Krankheit, und die primäre Form gilt als harmlos. Gefährlich können Stürze nach Schwindel oder kurzer Ohnmacht werden. Ein neu auftretender Blutdruckabfall kann außerdem auf eine Erkrankung, einen Flüssigkeits- oder Blutverlust oder eine Medikamentenwirkung hinweisen und gehört dann abgeklärt.

Was tun bei niedrigem Blutdruck?

Im Moment: hinsetzen oder hinlegen und danach langsam aufstehen. Auf Dauer helfen regelmäßige Bewegung, ausreichend Flüssigkeit, Wechselduschen und Kompressionsstrümpfe; etwas mehr Salz nur, wenn kein Bluthochdruck, keine Herzschwäche und keine Nierenerkrankung dagegen sprechen. Wer Blutdrucksenker nimmt, bespricht niedrige Werte mit der Ordination, statt Tabletten wegzulassen.

Warum wird mir beim Aufstehen schwindlig?

Beim Aufstehen versackt Blut in den Beinen. Gleicht der Kreislauf das nicht schnell genug aus, fällt der Blutdruck ab und das Gehirn ist kurz zu wenig durchblutet. Mögliche Gründe sind Medikamente wie Blutdrucksenker oder Antidepressiva, Flüssigkeitsmangel, Krampfadern sowie Erkrankungen wie Diabetes, Parkinson oder Herzerkrankungen. Ab 65 Jahren kommt das besonders oft vor.

Darf ich Blutdrucktabletten weglassen, wenn der Blutdruck niedrig ist?

Nicht auf eigene Faust. Ein einzelner niedriger Wert ohne Beschwerden ist laut ÖGH kein Grund, eine Tablette auszulassen. Bei Schwindel oder Kollapsneigung klären Sie das weitere Vorgehen mit der behandelnden Ordination; Betablocker und Clonidin werden nur ausschleichend abgesetzt. Sind die Werte wiederholt niedrig, wird die Dosis ärztlich angepasst oder das Präparat gewechselt.

Macht niedriger Blutdruck müde?

Er kann. Müdigkeit, Antriebslosigkeit und eine lange Anlaufzeit am Morgen gehören zu den typischen Beschwerden. Müdigkeit hat aber viele mögliche Ursachen, darunter eine Schilddrüsenunterfunktion, die ihrerseits den Blutdruck senken kann. Bei anhaltenden Beschwerden lohnt sich deshalb eine Abklärung in der Ordination.

Was ist eine Synkope?

So nennen Fachleute eine kurze Ohnmacht. Ein Blutdruckabfall ist eine mögliche Ursache, aber nicht die einzige. Deshalb sollten Synkopen ärztlich abgeklärt werden, besonders wenn sie wiederholt auftreten oder zu einem Sturz geführt haben.