Blutdruckwerte: Was ist normal, was ist zu hoch?
Bluthochdruck beginnt bei 140/90 mmHg, wenn in der Ordination mehrmals gemessen wird, und bei einem Mittelwert von 135/85 mmHg, wenn Sie zu Hause selbst messen. Unterhalb dieser Grenze unterscheidet die gängige Einteilung die Stufen optimal, normal und hochnormal. Hier finden Sie die Einteilung als Tabelle, die Unterschiede nach Alter, ein Messprotokoll für den Blutdruckpass und die Grenzen, ab denen Sie handeln sollten.
Tabelle: Blutdruckwerte von optimal bis Grad 3
Die Tabelle gibt die Einteilung aus den Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie (ÖGH) von 2013 wieder. Die ÖGH übernimmt damit das Schema der Europäischen Gesellschaft für Hypertonie (ESH), deren Leitlinie 2023 dieselben Grenzen verwendet und zusätzlich die isolierte diastolische Hypertonie als eigene Zeile führt. Gemeint sind Werte aus der Ordination, und zwar wiederholt gemessen: Ein einzelner Wert ergibt noch keine Einstufung.
Entscheidend ist das „und/oder“: Es reicht, wenn einer der beiden Werte in eine höhere Stufe fällt, maßgeblich ist immer die höhere. 128/92 mmHg zählt deshalb als Bluthochdruck Grad 1, obwohl der obere Wert im Normalbereich liegt. Die Einteilung gilt laut ESH für Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren.
Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) arbeitet seit ihrer Leitlinie 2024 mit nur drei Stufen: nicht erhöht unter 120/70 mmHg, erhöht von 120/70 bis 139/89 mmHg und Bluthochdruck ab 140/90 mmHg. Auf die Worte „normal“ und „optimal“ verzichtet sie bewusst, weil das Herz-Kreislauf-Risiko auch in der untersten Stufe mit jedem mmHg weiter ansteigt. Die Grenze zum Bluthochdruck ist in beiden Systemen dieselbe.
| Kategorie | Oberer Wert (systolisch) | Unterer Wert (diastolisch) |
|---|---|---|
| Optimal | unter 120 mmHg | und unter 80 mmHg |
| Normal | 120-129 mmHg | und/oder 80-84 mmHg |
| Hochnormal | 130-139 mmHg | und/oder 85-89 mmHg |
| Bluthochdruck Grad 1 | 140-159 mmHg | und/oder 90-99 mmHg |
| Bluthochdruck Grad 2 | 160-179 mmHg | und/oder 100-109 mmHg |
| Bluthochdruck Grad 3 | ab 180 mmHg | und/oder ab 110 mmHg |
| Isolierte systolische Hypertonie | ab 140 mmHg | und unter 90 mmHg |
| Isolierte diastolische Hypertonie (ESH 2023) | unter 140 mmHg | und ab 90 mmHg |
Grenzwerte für die Messung zu Hause und über 24 Stunden
Zu Hause und bei der 24-Stunden-Messung fällt der Weißkitteleffekt weg, also der Anstieg durch die Untersuchungssituation. Die Werte liegen deshalb im Schnitt tiefer als in der Ordination, und für Bluthochdruck gelten niedrigere Grenzen. Die ÖGH fasst sie in Tabelle 2 ihrer Empfehlungen zusammen.
Ein Mittelwert von 137/86 mmHg aus der Heimmessung ist also bereits erhöht, obwohl er unter 140/90 liegt. Umgekehrt kann der Blutdruck in der Ordination unauffällig und im Alltag zu hoch sein. Diese maskierte Hypertonie lässt sich nur mit Messungen außerhalb der Ordination erkennen; die 24-Stunden-Messung erfasst dabei auch die Werte im Schlaf.
| Messart | Bluthochdruck Grad 1 ab | Bluthochdruck Grad 2 ab |
|---|---|---|
| Messung in der Ordination | 140/90 mmHg | 160/100 mmHg |
| Selbstmessung zu Hause, Mittelwert | 135/85 mmHg | 150/95 mmHg |
| 24-Stunden-Messung, Gesamtmittel | 130/80 mmHg | 145/90 mmHg |
| 24-Stunden-Messung, wach | 135/85 mmHg | 150/95 mmHg |
| 24-Stunden-Messung, Schlaf | 120/70 mmHg | 135/85 mmHg |
Blutdruck nach Alter: was sich ändert und was nicht
Eine eigene Normaltabelle für jedes Lebensjahrzehnt gibt es bei Erwachsenen nicht: Die Grenzen aus der ersten Tabelle gelten ab 16 Jahren für alle, ob 25 oder 75. Was sich verschiebt, ist der typische Verlauf. Laut ÖGH steigt der obere Wert in der Bevölkerung bis etwa zum 80. Lebensjahr an, der untere nur bis etwa zum 50. Lebensjahr und sinkt danach wieder. Über 65 Jahren ist ein allein erhöhter oberer Wert, die isolierte systolische Hypertonie, die vorherrschende Form; Hauptursache sind steifer werdende Gefäße.
Kinder werden nach anderen Maßstäben beurteilt. Ihre Werte werden mit Normwerten verglichen, die sich an Alter und Körpergröße orientieren; ein Bluthochdruck liegt laut ÖGH vor, wenn der Blutdruck bei drei unabhängigen Messungen über der 95. Perzentile liegt. Gemessen werden soll ab dem dritten Lebensjahr bei den Routineuntersuchungen.
Unterschiedlich sind vor allem die Ziele einer Behandlung, und hier gehen die beiden europäischen Leitlinien auseinander. Die ESH staffelt nach Alter und rät davon ab, gezielt unter 120/70 mmHg zu senken. Die ESC empfiehlt fast allen denselben Zielbereich und lockert ihn ab 85 Jahren, bei mittlerer bis schwerer Gebrechlichkeit und bei Beschwerden durch Blutdruckabfall im Stehen. Welches Ziel für Sie gilt, legt die behandelnde Ordination fest.
| Alter | Zielwert unter Behandlung laut ESH 2023 | Zielwert unter Behandlung laut ESC 2024 |
|---|---|---|
| unter 65 Jahre | unter 130/80 mmHg | oberer Wert 120-129 mmHg, wenn vertragen |
| 65 bis 79 Jahre | unter 140/80 mmHg, bei guter Verträglichkeit auch unter 130/80 mmHg; bei isolierter systolischer Hypertonie oben 140-150 mmHg | oberer Wert 120-129 mmHg, wenn vertragen |
| 80 bis 84 Jahre | oben 140-150 mmHg, bei guter Verträglichkeit auch 130-139 mmHg; unten unter 80 mmHg | oberer Wert 120-129 mmHg, wenn vertragen |
| ab 85 Jahren | oben 140-150 mmHg, bei guter Verträglichkeit auch 130-139 mmHg; unten unter 80 mmHg | so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar; ein lockereres Ziel wie unter 140/90 mmHg kommt infrage |
Richtig messen: die Messwoche für den Blutdruckpass
Aussagekräftig ist eine Serie, nicht ein Einzelwert. Die ÖGH empfiehlt dafür ein festes Protokoll nach der ESH-Leitlinie 2023, und zwar vor Beginn einer Behandlung, nach jeder Umstellung und zur Kontrolle einmal pro Quartal. Die Werte tragen Sie in einen Blutdruckpass ein, den die Gesellschaft als Vorlage zum Ausdrucken anbietet, sofern Ihr Gerät sie nicht ohnehin speichert. So läuft die Messwoche ab:
- Ein geprüftes Oberarmgerät verwenden; die Manschettengröße muss zum Armumfang passen.
- In einem ruhigen Raum sitzen, den Messarm auf den Tisch legen, beide Füße am Boden; vorher keinen Kaffee trinken und nicht rauchen.
- Fünf Minuten entspannt warten, dann messen, nach ein bis zwei Minuten ein zweites und nach weiteren ein bis zwei Minuten ein drittes Mal.
- Alle drei Werte notieren, dazu den Puls der dritten Messung.
- Immer am selben Arm messen, und zwar an dem mit den höheren Werten.
- Morgens, bei laufender Behandlung vor der Tabletteneinnahme, und abends messen, sieben Tage hintereinander.
- Für die Beurteilung zählt der Mittelwert aus der zweiten und dritten Messung der Tage zwei bis sieben.
Ab wann behandelt wird
Liegt der Blutdruck bestätigt bei 140/90 mmHg oder darüber, empfehlen die ESC-Leitlinie 2024 und die ESH-Leitlinie 2023 für die meisten Erwachsenen eine Behandlung mit Lebensstiländerung und Medikamenten. Die ESH kennt zwei Abweichungen: Bei Bluthochdruck Grad 1 mit niedrigem Herz-Kreislauf-Risiko und ohne Organschäden kann man es zunächst einige Monate mit Lebensstilmaßnahmen versuchen. Ab 80 Jahren beginnt die medikamentöse Behandlung nach ESH erst ab einem oberen Wert von 160 mmHg; eine Grenze zwischen 140 und 159 mmHg kann erwogen werden.
Unterhalb von 140/90 mmHg entscheidet das Gesamtrisiko. Die ESC rät bei erhöhten Werten zunächst zu drei Monaten Lebensstiländerung; Medikamente kommen nur bei hohem Herz-Kreislauf-Risiko dazu, wenn der Blutdruck danach noch bei 130/80 mmHg oder darüber liegt. Nach der ESH beginnt die medikamentöse Behandlung bei Menschen mit bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung, vor allem einer koronaren Herzkrankheit, schon ab 130 mmHg oben oder 80 mmHg unten.
Welche Wirkstoffgruppen dafür infrage kommen und worin sie sich unterscheiden, beschreibt die Seite /herz-und-blutdruck/. Was der Bluthochdruck im Körper anrichtet und woran man ihn erkennt, steht unter /ratgeber/bluthochdruck/.
Welcher Wert ist gefährlich?
Gefährlich ist zweierlei. Dauerhaft erhöhter Druck schädigt über Jahre Gefäße, Herz, Gehirn und Nieren, meist ohne dass man etwas spürt. Akut gefährlich ist ein plötzlicher, sehr starker Anstieg des Blutdrucks; Fachleute sprechen dann von einer hypertensiven Krise oder Blutdruckentgleisung.
Auch zu niedrige Werte können Probleme machen, vor allem Schwindel und Stürze beim Aufstehen. Wann das harmlos ist und wann nicht, steht unter /ratgeber/niedriger-blutdruck/.
Bei einer hypertensiven Krise ohne weitere Beschwerden gilt: ruhig bleiben, hinlegen und nach einer halben Stunde erneut messen. Bleibt der Wert hoch, holen Sie bald ärztlichen Rat ein, außerhalb der Ordinationszeiten etwa über die Gesundheitsberatung 1450. Kommen akute Beschwerden dazu, kann ein hypertensiver Notfall vorliegen, bei dem Organe wie Herz, Gehirn, Nieren oder Augen schwer geschädigt werden können. Dann rufen Sie die Rettung unter 144. Warnzeichen laut gesundheit.gv.at sind:
- Kopfschmerzen oder Schwindel
- Atemnot oder Brustschmerzen
- Verwirrtheit
- Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühle
- Seh- oder Sprechstörungen
- Krampfanfälle
Messwerte für ein Folgerezept
Wer bereits einen Blutdrucksenker nimmt und ein Folgerezept online anfragt, gibt im Fragebogen Präparat, Stärke und alle weiteren Arzneimittel an. Für die ärztliche Beurteilung hilfreich sind genau die Daten, um die es auf dieser Seite geht: die Mittelwerte einer aktuellen Messwoche und, soweit vorhanden, die letzten Laborwerte. Fehlt etwas, wird es über die Plattform nachgefordert; statt eines Rezepts kann auch der Rat stehen, sich in einer Ordination untersuchen zu lassen. Ob eine Verordnung möglich ist, entscheidet der Arzt im Einzelfall.
Eine Erstdiagnose lässt sich auf diesem Weg nicht stellen. Werden erhöhte Werte zum ersten Mal festgestellt, gehört die Abklärung mit Untersuchung, Labor und EKG in eine Ordination.
Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Was in Ihrem Fall richtig ist, klärt dieser Überblick nicht; das kann nur eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen.
Welcher Blutdruck ist für welches Alter normal?
Für Erwachsene gibt es keine eigenen Normalwerte je Lebensjahrzehnt: Optimal ist ein Wert unter 120/80 mmHg, Bluthochdruck beginnt bei 140/90 mmHg, und das gilt ab 16 Jahren für alle. Mit dem Alter steigt typischerweise der obere Wert, der untere sinkt ab etwa 50 wieder. Unterschiedlich sind die Behandlungsziele, die bei älteren Menschen je nach Leitlinie und Verträglichkeit etwas höher liegen dürfen. Bei Kindern wird nach Perzentilen für Alter und Körpergröße beurteilt.
Welcher Wert ist gefährlich beim Blutdruck?
Langfristig schadet jeder dauerhaft erhöhte Wert, also ab 140/90 mmHg in der Ordination oder ab 135/85 mmHg im Mittel der Heimmessung. Akut gefährlich ist ein plötzlicher, sehr starker Anstieg, eine sogenannte hypertensive Krise. Ohne Beschwerden: hinlegen und nach 30 Minuten nachmessen. Mit Brustschmerz, Atemnot, Lähmungen, Seh- oder Sprechstörungen: Rettung 144.
Welcher Blutdruckwert ist gefährlicher, der untere oder der obere?
Beide zählen, und für die Einstufung ist der jeweils höhere maßgeblich. Bis etwa zum 50. Lebensjahr bestimmen laut ÖGH der obere und der untere Wert das Herz-Kreislauf-Risiko gemeinsam. Danach gewinnen der obere Wert und der Pulsdruck, also der Abstand zwischen beiden Werten, an Bedeutung. Ein niedriger unterer Wert neben einem hohen oberen ist deshalb kein Grund zur Beruhigung.
Ist 130 zu 85 schon zu hoch?
Nach der Einteilung von ÖGH und ESH ist 130/85 mmHg hochnormal, also noch kein Bluthochdruck. Die ESC zählt solche Werte zur Stufe „erhöht“ und empfiehlt Lebensstilmaßnahmen; ob später Medikamente dazukommen, hängt vom gesamten Herz-Kreislauf-Risiko ab. Als Mittelwert der Heimmessung läge 130/85 mmHg noch unter der dortigen Grenze von 135/85 mmHg.
Warum ist mein Blutdruck beim Arzt höher als zu Hause?
Meist steckt der Weißkitteleffekt dahinter: Die Untersuchungssituation treibt den Blutdruck kurzfristig hoch. Deshalb liegen Heim- und 24-Stunden-Werte im Schnitt tiefer, und es gelten eigene Grenzen. Auch wiederholte automatische Messungen in der Ordination, bei denen niemand im Raum ist, verringern den Effekt. Bringen Sie Ihre Messwoche zum Termin mit, dann lassen sich beide Werte vergleichen.
Wie oft soll ich meinen Blutdruck messen?
Eine ganze Messwoche nach dem Protokoll oben empfiehlt die ÖGH vor Behandlungsbeginn, nach jeder Umstellung und einmal pro Quartal. Dazwischen genügt bei normalem Blutdruck eine Kontrolle im Halbjahr; ist er unter Behandlung gut eingestellt, reichen ein bis zwei Morgenmessungen pro Woche. Wie oft zusätzlich Nierenwerte und Kalium kontrolliert werden, steht im Beitrag /blog/blutdruck-kontrollen-at/.
Ist ein Blutdruckmessgerät für das Handgelenk genauso gut?
Die ÖGH empfiehlt Oberarmgeräte, weil es dabei weniger Fehlerquellen gibt. Wer am Handgelenk misst, muss das Gerät auf Herzhöhe bringen und darf Hand und Finger während der Messung nicht bewegen. In jedem Fall sollte das Gerät validiert sein, denn nicht alle Geräte im Handel messen korrekt; die ÖGH stellt dazu eine Liste geprüfter Geräte bereit.
- Österreichische Gesellschaft für Hypertensiologie: Klassifikation, Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie 2013, Journal für Hypertonie 17(3), Tabellen 1 und 2, Abschnitte Diagnostik, Kinder und Ältere (PDF)
- Sarafidis et al.: ERA-Synopsis der ESH-Leitlinie 2023 zur arteriellen Hypertonie, Nephrology Dialysis Transplantation 2024, Tabelle 1 (Klassifikation) und Abschnitt Therapiebeginn
- McCarthy, McEvoy et al.: Neuerungen der ESC-Leitlinie 2024 zu erhöhtem Blutdruck und Hypertonie im Vergleich zur ESH-Leitlinie 2023, Hypertension 2025, Abschnitte Klassifikation, Therapiebeginn und Zielwerte
- ÖGH: Anleitung zur 3-fach-Blutdruckmessung nach ESH 2023 (PDF)
- ÖGH: Richtig Blutdruck messen (Messzeitpunkte, Blutdruckpass, Oberarm und Handgelenk, Bedeutung der Messwerte)
- gesundheit.gv.at: Bluthochdruck: Behandlung, Abschnitt „Was tun, wenn der Blutdruck plötzlich steigt?“