Verhütung bei Vorerkrankungen: wann Östrogen nicht passt
Kombinationspille, Verhütungspflaster und Vaginalring enthalten neben einem Gestagen ein Östrogen, und genau das macht sie bei manchen Vorerkrankungen ungeeignet. Diese Seite fasst nach den Fachinformationen zusammen, wann Östrogen ausscheidet, wie Rauchen, Gewicht und Blutdruck das Risiko verschieben, warum bestimmte Epilepsie-Medikamente die Wirkung schwächen und welche Methoden ohne Östrogen bleiben.
Warum Östrogen bei manchen Vorerkrankungen ausscheidet
Kombinierte hormonale Verhütungsmittel erhöhen das Risiko für Blutgerinnsel in Venen und Arterien. Die Fachinformation einer Pille mit Levonorgestrel nennt die Größenordnung: Von 10.000 Frauen, die keine solche Methode anwenden und nicht schwanger sind, erleiden etwa 2 pro Jahr eine venöse Thromboembolie, unter einer levonorgestrelhaltigen Kombination etwa 5 bis 7. Am höchsten ist das Risiko im ersten Anwendungsjahr; erhöht ist es auch, wenn die Anwendung nach einer Pause von vier Wochen oder länger wieder beginnt.
Ohne weitere Risikofaktoren ist der Anstieg gering. Mit bestimmten Vorerkrankungen wird er deutlich größer, und mehrere Risikofaktoren zusammen können mehr ausmachen als die Summe der einzelnen. Weil Pflaster und Ring ebenfalls Ethinylestradiol enthalten, gelten für sie dieselben Einschränkungen wie für die Kombinationspille: Rät der Arzt von Östrogen ab, kommen alle drei nicht infrage.
Welche Vorerkrankungen gegen Östrogen sprechen
Die Übersicht fasst die Abschnitte 4.3 und 4.4 der Fachinformationen einer Kombinationspille (Madonella, mit Levonorgestrel und Ethinylestradiol) und einer Gestagenpille (Cerazette, mit Desogestrel) zusammen. Verbindlich ist die Fachinformation Ihres eigenen Präparats.
| Vorerkrankung oder Situation | Pille, Pflaster, Ring mit Östrogen | Gestagenpille mit Desogestrel |
|---|---|---|
| Thrombose oder Lungenembolie, auch in der Vorgeschichte | Gegenanzeige | Gegenanzeige nur bei aktiver Thrombose; nach einer früheren Thrombose Aufklärung über das Rückfallrisiko |
| Angeborene Gerinnungsneigung, z. B. Faktor-V-Leiden | Gegenanzeige | nicht als Gegenanzeige genannt |
| Migräne mit Aura (fokale neurologische Symptome) | Gegenanzeige | nicht als Gegenanzeige genannt |
| Bluthochdruck | Schwere Hypertonie: Gegenanzeige. Behandelter Bluthochdruck: absetzen, wenn die Werte trotz Therapie konstant erhöht bleiben | Absetzen erwägen, wenn sich anhaltender Bluthochdruck entwickelt oder sich nicht ausreichend behandeln lässt |
| Rauchen ab 35 | Dringend eine andere Methode empfohlen | nicht als Gegenanzeige genannt |
| Diabetes | Mit Gefäßschäden: Gegenanzeige. Sonst sorgfältige Überwachung, besonders am Anfang | Sorgfältige Kontrolle in den ersten Monaten |
| Adipositas mit BMI über 30 | Risikofaktor für venöse und arterielle Thrombosen | nicht gesondert genannt |
| Enzyminduzierende Antiepileptika, z. B. Carbamazepin | Wirkung vermindert; bei längerer Behandlung nicht-hormonelle Methode empfohlen | Wirkung vermindert; bei längerer Behandlung eine davon unbeeinflusste Methode erwägen |
Rauchen, Gewicht, Alter und Operationen
Neben den Gegenanzeigen zählt die Fachinformation Risikofaktoren auf, die das Thromboserisiko unter einer östrogenhaltigen Methode erhöhen. Frauen, die eine solche Methode anwenden möchten, wird geraten, nicht zu rauchen; Frauen über 35, die weiter rauchen, wird dringend eine andere Methode empfohlen. Das Risiko steigt außerdem mit dem Alter, besonders über 35, und mit dem Körpergewicht, ausgeprägt ab einem BMI über 30. Wer abnehmen möchte, findet Informationen unter Übergewicht mit Begleiterkrankungen.
Hatten Eltern oder Geschwister eine Thrombose, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall, besonders vor dem 50. Lebensjahr, empfiehlt die Fachinformation bei Verdacht auf eine erbliche Neigung eine fachärztliche Beratung, bevor über eine Kombinationsmethode entschieden wird. Vor einer geplanten größeren Operation oder bei längerer Ruhigstellung ist es ratsam, die Pille mindestens vier Wochen vorher zu unterbrechen und erst zwei Wochen nach vollständiger Mobilisierung wieder zu beginnen. Auch eine Flugreise über vier Stunden kann bei weiteren Risikofaktoren ins Gewicht fallen.
Epilepsie-Medikamente und andere Wechselwirkungen
Manche Arzneimittel beschleunigen über Leberenzyme den Abbau der Hormone und machen die Verhütung unsicher. Die Fachinformationen nennen unter anderem Carbamazepin, Phenytoin, Primidon und Barbiturate, möglicherweise auch Oxcarbazepin, Topiramat und Felbamat, außerdem Rifampicin, einige HIV-Medikamente und Johanniskraut. Die Wirkung setzt nach wenigen Tagen ein und hält nach dem Absetzen noch etwa vier Wochen an. Bei kurzer Behandlung kommt eine Barrieremethode dazu, während der Einnahme und noch 28 Tage danach. Bei längerer Behandlung empfiehlt die Fachinformation der Kombinationspille eine nicht-hormonelle Methode; die der Gestagenpille rät, eine Methode zu erwägen, die von diesen Mitteln nicht beeinflusst wird. Johanniskraut ist mit Madonella ausdrücklich kontraindiziert.
Bei Lamotrigin wirkt es in die andere Richtung. Eine Kombinationspille mit Ethinylestradiol und Levonorgestrel beschleunigt den Abbau von Lamotrigin etwa auf das Doppelte; der sinkende Spiegel wurde mit dem Verlust der Anfallskontrolle in Verbindung gebracht. Nach dem Absetzen der Pille kann der Spiegel wieder steigen, und in der pillenfreien Woche schwankt er. Die Fachinformation von Lamictal empfiehlt deshalb bevorzugt Methoden ohne pillenfreie Woche oder nicht-hormonelle Methoden. Beginn, Wechsel und Ende einer hormonellen Verhütung stimmen Sie bei Lamotrigin mit Ihrer neurologischen Betreuung ab.
Was ohne Östrogen bleibt
Spricht etwas gegen Östrogen, nennt das Gesundheitsportal mehrere Alternativen: östrogenfreie Methoden mit Gestagen wie die Minipille oder das Hormonstäbchen, die Hormon- oder Kupferspirale, Barrieremethoden wie Kondom und Diaphragma sowie natürliche Methoden. Auch Präparate nur mit Gestagen haben eigene Ausschlussgründe und Nebenwirkungen.
Über eine Anfrage lässt sich davon nur die Gestagenpille verordnen, etwa mit Desogestrel oder Drospirenon; Stäbchen und Spirale werden in einer Ordination eingesetzt. Auch vor einer Gestagenpille sieht die Fachinformation von Cerazette eine sorgfältige Anamnese und den Ausschluss einer Schwangerschaft vor, deshalb kann der Arzt eine Untersuchung in einer Ordination empfehlen. Laut Fachinformation von Cerazette wird die Gestagenpille täglich zur gleichen Zeit und ohne Pause zwischen den Packungen eingenommen. Ist eine Tablette weniger als 12 Stunden verspätet, wird sie nachgeholt; bei mehr als 12 Stunden braucht es sieben Tage lang zusätzlich eine weitere Methode wie ein Kondom. Wer von Pille, Pflaster oder Ring wechselt, beginnt am Tag nach der letzten Wirkstofftablette oder am Tag, an dem Ring oder Pflaster entfernt werden, dann ohne zusätzliche Verhütung. Stimmungsschwankungen oder depressive Beschwerden, auch kurz nach Beginn, sind ein Grund, ärztlichen Rat einzuholen.
So läuft die Anfrage ab
Die Leistung umfasst den Beginn oder die Weiteranwendung einer Pille, eines Pflasters oder eines Vaginalrings; ein Wechsel auf eine Methode ohne Östrogen ist ein neuer Beginn. Vor dem Start einer Kombinationsmethode sieht die Fachinformation eine vollständige Anamnese einschließlich der Familie, den Ausschluss einer Schwangerschaft, eine Blutdruckmessung und eine an den Gegenanzeigen orientierte Untersuchung vor. Geben Sie im Fragebogen deshalb ausdrücklich an: Thrombosen bei Ihnen und in der Familie, Migräne mit oder ohne Aura, ob Sie rauchen, Diabetes, Ihr Gewicht und alle Medikamente. Fehlt ein aktueller Blutdruckwert, fordert der Arzt ihn nach; braucht es eine Untersuchung, empfiehlt er eine Ordination. Die Beurteilung übernimmt lek. Damian Wojno (Approbation Nr. 3211301). Einen Anspruch auf ein Rezept gibt es nicht.
Das Honorar deckt die ärztliche Beurteilung ab, nicht die Ausstellung eines Dokuments. Lehnt der Arzt aus medizinischen oder rechtlichen Gründen ab, erstatten wir das Honorar. Für angeforderte Unterlagen haben Sie mindestens 7 Tage Zeit und erhalten eine Erinnerung; auf Ihren Wunsch kann die Frist verlängert werden. Lässt sich die Beurteilung dennoch nicht abschließen, schließen wir die Anfrage und erstatten das Honorar vollständig.
- Honorar: 24,90 €, online bezahlt. Für zusätzlich 9,90 € wird die Anfrage in der Reihenfolge vorgereiht; eine Zusage über die Dauer ist damit nicht verbunden.
- Ein Gespräch gibt es nicht: kein Video, kein Telefonat, kein Live-Chat. Die Beurteilung beruht auf Ihren schriftlichen Angaben.
- Bei positiver Beurteilung kommt das Rezept als PDF per E-Mail. Den Ausdruck legen Sie innerhalb eines Monats in einer Apotheke vor und bezahlen das Präparat dort selbst.
- Über die Einlösung entscheidet jede Apotheke im Einzelfall selbst.
Warnzeichen: wann Sie den Notruf wählen
Ein Blutgerinnsel ist selten, aber ein Notfall. Treten unter einer hormonellen Verhütung die folgenden Zeichen auf, rufen Sie die Rettung unter 144 oder den Euronotruf 112 an und sagen Sie dazu, dass Sie hormonell verhüten. Bei Beschwerden ohne akute Gefahr erreichen Sie die Gesundheitsberatung unter 1450.
- Einseitig geschwollenes, schmerzendes, warmes oder verfärbtes Bein,
- Plötzliche unerklärliche Atemnot, plötzlicher Husten, eventuell mit Blut, stechender Brustschmerz, starke Benommenheit oder schneller, unregelmäßiger Herzschlag,
- Plötzliche Taubheit oder Schwäche einer Körperseite, Sprech- oder Sehstörungen, plötzliche schwere Kopfschmerzen,
- Druck, Enge oder Schmerz in der Brust, der in Arm, Kiefer oder Rücken ausstrahlen kann.
Darf ich mit Bluthochdruck die Pille nehmen?
Das hängt vom Schweregrad ab. Bei schwerem Bluthochdruck ist eine östrogenhaltige Pille laut Fachinformation kontraindiziert, bei behandeltem Bluthochdruck wird sie abgesetzt, wenn die Werte trotz Therapie konstant erhöht bleiben. Die Gestagenpille ist bei Bluthochdruck nicht kontraindiziert. Für die Beurteilung braucht der Arzt einen aktuellen Wert; zur Messung siehe Blutdruck: wie oft zur Kontrolle, zu den Medikamenten Herz und Blutdruck.
Welche Pille bei Migräne mit Aura?
Östrogenhaltige Methoden sind bei Migräne mit Aura in der Vorgeschichte kontraindiziert, also auch Pflaster und Ring. Die Fachinformation der Gestagenpille führt Migräne nicht als Gegenanzeige. Nimmt eine Migräne unter einer Kombinationsmethode an Häufigkeit oder Stärke zu, kann das laut Fachinformation ein Grund sein, sie sofort abzusetzen.
Ist die Minipille nach einer Thrombose möglich?
Laut Fachinformation von Cerazette ist nur eine aktive Thrombose eine Gegenanzeige. Nach einer früheren Thrombose wird über das Rückfallrisiko aufgeklärt und individuell abgewogen; tritt unter der Einnahme eine Thrombose auf, wird die Pille abgesetzt. Östrogenhaltige Methoden sind nach einer Thrombose ausgeschlossen.
Sind Verhütungsring und Pflaster eine Alternative ohne Östrogen?
Nein. Beide enthalten Ethinylestradiol und haben dieselben Gegenanzeigen wie die Kombinationspille, etwa bei einer früheren Thrombose, bei Migräne mit Aura oder bei schwerem Bluthochdruck.
Welche Verhütung für Raucherinnen über 35?
Frauen über 35, die weiter rauchen, empfiehlt die Fachinformation dringend eine andere Methode als eine östrogenhaltige. Für die Gestagenpille ist Rauchen keine Gegenanzeige; Spirale und Hormonstäbchen bekommen Sie in einer Ordination.
Wirkt die Pille, wenn ich Carbamazepin nehme?
Nicht verlässlich, weil Carbamazepin den Abbau der Hormone beschleunigt. Bei kurzer Einnahme verwenden Sie zusätzlich eine Barrieremethode wie ein Kondom, bis 28 Tage nach dem Ende. Bei einer Dauertherapie empfiehlt die Fachinformation eine Methode, die davon nicht beeinflusst wird, bei der Kombinationspille ausdrücklich eine nicht-hormonelle.
Kann ich meine bisherige Pille trotz neuer Diagnose weiter verschreiben lassen?
Nur wenn die neue Diagnose nicht dagegen spricht. Geben Sie im Fragebogen jede neue Erkrankung an, etwa Bluthochdruck, Migräne mit Aura oder eine Thrombose. Kommt eine Gegenanzeige hinzu, ist die Fortführung nicht vertretbar, und der Arzt prüft, ob eine Gestagenpille infrage kommt.
- Hormonelle Verhütung & Gesundheit (Gesundheitsportal gesundheit.gv.at)
- Fachinformation Madonella 0,15 mg/0,03 mg (Levonorgestrel, Ethinylestradiol), Abschnitte 4.3, 4.4 und 4.5 (BASG)
- Fachinformation Cerazette 75 Mikrogramm (Desogestrel), Abschnitte 4.2 bis 4.5 (BASG)
- Fachinformation NuvaRing (Etonogestrel, Ethinylestradiol), Abschnitte 2 und 4.3 (BASG)
- Fachinformation Lamictal (Lamotrigin), Abschnitte 4.2 und 4.4: Wechselwirkung mit hormonellen Kontrazeptiva (BASG)