Furosemid bei Ödemen und Herzschwäche: Anwendung und Sicherheit

Furosemid, in Österreich unter anderem als Lasix im Handel, ist ein stark und rasch wirkendes Entwässerungsmittel aus der Gruppe der Schleifendiuretika. Eingesetzt wird es bei Wassereinlagerungen infolge von Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen und bei leichtem bis mittelschwerem Bluthochdruck. Alle Präparate sind rezeptpflichtig. Diese Seite fasst Dosierung, Kontrollen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen nach der Fachinformation zusammen.

Wofür Furosemid eingesetzt wird

Die Fachinformation von Lasix 40 mg (Abschnitt 4.1) nennt fünf Anwendungsgebiete: Ödeme infolge von Herzerkrankungen wie der Herzinsuffizienz, wenn eine Diuretikatherapie erforderlich ist; Flüssigkeitsansammlungen bei chronischen Nierenfunktionsstörungen; die unterstützende Behandlung eines nephrotischen Syndroms; Ödeme bei bestimmten Lebererkrankungen, unter Umständen zusätzlich zu einem Aldosteron-Antagonisten; sowie eine arterielle Hypertonie leichten bis mittleren Schweregrades. Für den Bluthochdruck schränkt Abschnitt 4.4 ein: Wegen der starken Wirkung soll Furosemid bei Menschen mit gesunden Nieren nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden.

Furosemid hemmt im aufsteigenden Teil der Henle-Schleife der Niere einen Transporter für Natrium, Kalium und Chlorid. Dadurch können bis zu 35 % des gefilterten Natriums ausgeschieden werden, und mit dem Salz verlässt Wasser den Körper. Gleichzeitig steigt die Ausscheidung von Kalium, Kalzium und Magnesium, und genau daraus ergeben sich die wichtigsten Kontrollen während der Behandlung. Die Wirkung setzt laut Abschnitt 5.1 etwa 30 Minuten nach der Einnahme ein, die höchsten Blutspiegel werden nach etwa einer Stunde gemessen.

Bei Herzschwäche mit verminderter Auswurfleistung erfolgt die Grundbehandlung laut Gesundheitsportal mit vier anderen Wirkstoffgruppen; Entwässerungsmittel kommen dazu, um Wassereinlagerungen und Beschwerden zu lindern. Einen Überblick über die Herz-Kreislauf-Medikamente gibt die Seite Herz und Blutdruck.

Kein Mittel zum Entwässern ohne Diagnose oder zum Abnehmen

Wer nach Entwässerungstabletten sucht, denkt oft an geschwollene Beine nach einem langen Tag oder an ein paar Kilo weniger auf der Waage. Für keinen dieser Zwecke ist Furosemid zugelassen. Die Fachinformation begrenzt den Gewichtsverlust durch die verstärkte Harnausscheidung auf höchstens 1 kg pro Tag, unabhängig von der Harnmenge (Abschnitt 4.4), und nennt im Zusammenhang mit Missbrauch oder Langzeitbehandlung ein sogenanntes Pseudo-Bartter-Syndrom; als Folge der Elektrolyt- und Flüssigkeitsverluste kann sich außerdem eine metabolische Alkalose entwickeln (Abschnitt 4.8).

Eine übermäßige Entwässerung kann zu Austrocknung, Kreislaufkollaps und einer Eindickung des Blutes mit erhöhter Thromboseneigung führen; bei Überdosierung nennt Abschnitt 4.9 außerdem Herzrhythmusstörungen und, bei raschen Verlusten, delirante Zustandsbilder. Was dabei auf der Waage verschwindet, ist Körperwasser und kein Fettgewebe. Neu auftretende Schwellungen haben eine Ursache, die vor jeder Entwässerung geklärt werden muss, und diese Abklärung gehört in eine Ordination.

Dosierung laut Fachinformation

Die Dosis wird laut Abschnitt 4.2 individuell nach Diagnose und Ansprechen festgelegt; als Erhaltungsdosis gilt immer die niedrigste therapeutisch erforderliche Menge. Die Tabletten werden vor dem Frühstück beziehungsweise vor den Mahlzeiten unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit eingenommen. Zur Ausschwemmung von Ödemen beschreibt die Fachinformation eine Behandlung mit Pausen als am wirksamsten und schonendsten, etwa jeden zweiten Tag oder an 2 bis 4 aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche. Das passende Schema bestimmt die behandelnde Ordination.

Tabletten mit 500 mg sind ein Sonderfall: Laut ihrer Fachinformation sind sie ausschließlich für Menschen mit stark verminderter Nierenfunktion vorgesehen, bei einer glomerulären Filtrationsrate unter 20 ml/min. Die Werte in der Tabelle stammen aus der Fachinformation von Lasix 40 mg.

AnwendungDosierung laut Fachinformation
Ödeme bei Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungüblich 40 mg morgens; bei unzureichender Harnausscheidung Verdoppelung der Einzeldosis nach jeweils 6 bis 8 Stunden bis 160 mg
AusnahmefälleAnfangsdosen über 200 mg nur unter sorgfältiger klinischer Überwachung
Ödeme nach Verbrennungen40 bis 100 mg, bei eingeschränkter Nierenfunktion ausnahmsweise bis 240 mg
Arterielle Hypertonie40 mg pro Tag
Kinder und Jugendliche1 bis 2 mg pro kg Körpergewicht, höchstens 40 mg pro Tag

Kalium, Natrium und regelmäßige Kontrollen

Weil mit dem Harn auch Elektrolyte verloren gehen, sieht Abschnitt 4.4 regelmäßige Kontrollen vor: Nierenfunktion, Kalium, Natrium und Kalzium, Bikarbonat, Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure, Blutzucker und Blutbild. Besonders eng überwacht wird, wer ein hohes Risiko für Elektrolytstörungen hat oder durch Erbrechen, Durchfall oder starkes Schwitzen zusätzlich Flüssigkeit verliert. Dann kann auch eine vorübergehende Pause der Behandlung nötig sein, die die Ordination festlegt.

Gegen den Kaliumverlust empfiehlt die Fachinformation eine kaliumreiche Kost, etwa mageres Fleisch, Kartoffeln, Bananen, Tomaten, Karfiol, Spinat und getrocknete Früchte. Verstärkt wird der Kaliumverlust unter anderem durch Kortisonpräparate, Abführmittel und große Mengen Lakritze. Bei längerer Anwendung soll außerdem Thiamin, also Vitamin B1, ersetzt werden, weil ein durch Furosemid verursachter Mangel die Herzfunktion verschlechtern kann.

Bei Diabetes ist der Blutzucker regelmäßig zu kontrollieren, bei Gicht die Harnsäure: Furosemid kann die Glukosetoleranz verschlechtern und Gichtanfälle auslösen. Bei vergrößerter Prostata oder einer anderen Abflussstörung muss der Harn frei abfließen können, sonst kann die plötzlich einsetzende Harnflut zu einem Harnverhalt mit Überdehnung der Blase führen.

Nebenwirkungen von Furosemid

Am häufigsten sind laut Abschnitt 4.8 Störungen des Elektrolythaushalts, Flüssigkeitsmangel und Austrocknung, vor allem bei älteren Menschen, ein Anstieg von Kreatinin und Triglyzeriden im Blut sowie niedriger Blutdruck und Kreislaufprobleme beim Aufstehen. Häufig kommen außerdem niedrige Natrium-, Chlorid- und Kaliumwerte, ein Anstieg der Harnsäure mit Gichtanfällen und eine vermehrte Harnmenge vor.

Als Zeichen einer zu starken Entwässerung nennt die Fachinformation Kopfschmerz, Schwindel, Sehstörungen, Mundtrockenheit und Durst, bis hin zu Ohnmacht durch einen niedrigen Blutdruck. Furosemid kann außerdem das Gehör beeinträchtigen, meist vorübergehend, in Einzelfällen dauerhaft; besonders empfindlich sind laut Fachinformation Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion. Ohrgeräusche oder ein schlechteres Hören gehören deshalb zeitnah ärztlich abgeklärt. Beschrieben sind auch Hautreaktionen bis zu schweren Formen und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut.

Die Verkehrstüchtigkeit kann leiden, laut Abschnitt 4.7 verstärkt bei Behandlungsbeginn, nach einer Dosiserhöhung, bei einem Präparatewechsel und im Zusammenwirken mit Alkohol.

Wechselwirkungen

Besonders wichtig ist der Beginn eines ACE-Hemmers wie Ramipril oder eines Sartans wie Valsartan. Wird ein solches Präparat erstmals oder erstmals in höherer Dosis gegeben, wurden massive Blutdruckabfälle bis zum Schock und eine Verschlechterung der Nierenfunktion beobachtet. Die Fachinformation empfiehlt deshalb, Furosemid vorher nach Möglichkeit vorübergehend abzusetzen oder die Dosis zumindest für drei Tage zu reduzieren (Abschnitte 4.2 und 4.5). Diese Abstimmung übernimmt die verordnende Ordination.

Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen können die Wirkung abschwächen und bei Flüssigkeitsmangel ein akutes Nierenversagen auslösen. Sucralfat vermindert die Aufnahme von Furosemid, zwischen beiden müssen mindestens 2 Stunden liegen. Furosemid verstärkt die herz- und nervenschädigende Wirkung von Lithium, dessen Spiegel deshalb sorgfältig überwacht wird, und kann die Gehörschädigung durch Antibiotika aus der Gruppe der Aminoglykoside verstärken. Unter Herzglykosiden wie Digoxin macht ein niedriger Kalium- oder Magnesiumwert den Herzmuskel empfindlicher für deren Wirkung; zusammen mit Mitteln, die das QT-Intervall verlängern, steigt bei Elektrolytstörungen das Risiko für Herzrhythmusstörungen. Die Wirkung von Antidiabetika kann abgeschwächt werden.

In Studien mit Risperidon bei älteren Menschen mit Demenz war die Sterblichkeit unter der Kombination mit Furosemid höher (7,3 % gegenüber 3,1 % unter Risperidon allein und 4,1 % unter Furosemid allein). Diese Kombination verlangt laut Abschnitt 4.4 eine besondere Nutzen-Risiko-Abwägung.

Gegenanzeigen, Schwangerschaft und Stillzeit

Ausgeschlossen ist Furosemid laut Abschnitt 4.3 bei einer Überempfindlichkeit gegen Furosemid oder gegen Sulfonamide, bei Nierenversagen ohne Harnproduktion, das auf Furosemid nicht anspricht, bei einer Bewusstseinsstörung bis zum Koma infolge einer schweren Lebererkrankung, bei schwerem Kalium- oder Natriummangel, bei Flüssigkeitsmangel oder Austrocknung und in der Stillzeit. Besonders sorgfältig überwacht wird unter anderem bei niedrigem Blutdruck, bei Leberzirrhose mit eingeschränkter Nierenfunktion, beim nephrotischen Syndrom und bei Menschen, die ein starker Blutdruckabfall besonders gefährden würde, etwa mit Durchblutungsstörungen des Gehirns oder einer koronaren Herzkrankheit.

In der Schwangerschaft ist Furosemid laut Abschnitt 4.6 für die routinemäßige Behandlung von Bluthochdruck und Ödemen nicht geeignet, weil es die Durchblutung der Plazenta beeinträchtigen kann; es darf nur bei strenger Indikation und kurzfristig angewendet werden. Der Wirkstoff geht in die Muttermilch über und hemmt die Milchbildung, deshalb wird in der Stillzeit nicht mit Furosemid behandelt.

Folgerezept bei stabiler Behandlung

Laut Arzneispezialitätenregister sind alle Furosemid-Präparate in Österreich rezeptpflichtig. Wenn Sie Furosemid wegen einer bekannten Erkrankung in unveränderter Dosis einnehmen, können Sie ein Folgerezept online anfragen. Der Arzt prüft dafür den medizinischen Fragebogen und kann aktuelle Laborwerte wie Kalium, Natrium und Kreatinin, den letzten Arztbrief oder Ihre Medikamentenliste nachfordern. Ein Behandlungsbeginn, eine Dosisänderung oder neue Beschwerden brauchen in der Regel eine Untersuchung; in solchen Fällen verweist der Arzt an eine Ordination. Ein Anspruch auf ein Rezept besteht nicht.

Das gilt besonders für Warnzeichen einer Verschlechterung. Das Gesundheitsportal empfiehlt Menschen mit Herzschwäche, sich täglich mit derselben Waage zur selben Uhrzeit zu wiegen und die Ordination zu informieren, wenn das Gewicht innerhalb eines Tages um ein Kilo oder innerhalb einer Woche um zwei Kilo steigt; je nach Situation können andere Grenzwerte gelten. Zunehmende Atemnot und neue Schwellungen sollten ebenfalls rasch ärztlich abgeklärt werden; bei akuter Atemnot rufen Sie die Rettung unter 144.

Ist der Arzt einverstanden, kommt das Rezept als PDF in Ihr Postfach. Es wird in Österreich wie ein Privatrezept behandelt: Das Arzneimittel bezahlen Sie selbst, und ob eine Apotheke das Rezept einlöst, entscheidet die Apothekerin oder der Apotheker. Wichtig ist die Frist: Nach § 4 Abs. 1 Rezeptpflichtgesetz muss die erste Abgabe spätestens einen Monat nach dem Ausstellungsdatum erfolgen. Arzneimittel versenden wir nicht.

Das Honorar deckt die ärztliche Beurteilung ab, nicht die Ausstellung eines Dokuments. Lehnt der Arzt aus medizinischen oder rechtlichen Gründen ab, erstatten wir das Honorar. Für angeforderte Unterlagen haben Sie mindestens 7 Tage Zeit und erhalten eine Erinnerung; auf Ihren Wunsch kann die Frist verlängert werden. Lässt sich die Beurteilung dennoch nicht abschließen, schließen wir die Anfrage und erstatten das Honorar vollständig. Den Ablauf beschreibt die Seite Folgerezept.

Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, Approbation Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Was in Ihrem Fall richtig ist, klärt dieser Überblick nicht; das kann nur eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen.

Wie schnell wirkt Furosemid?

Laut Fachinformation setzt die harntreibende Wirkung etwa 30 Minuten nach der Einnahme ein, die höchsten Blutspiegel werden nach etwa einer Stunde erreicht. Reicht die Harnausscheidung nicht aus, sieht die Fachinformation eine Verdoppelung der Einzeldosis nach jeweils 6 bis 8 Stunden vor, und zwar nach ärztlicher Anweisung.

Kann man mit Furosemid abnehmen?

Nein. Furosemid ist nicht zur Gewichtsabnahme zugelassen. Was verloren geht, ist Körperwasser und kein Fett, und die Fachinformation begrenzt den Gewichtsverlust durch die Entwässerung auf höchstens 1 kg pro Tag. Eine Anwendung ohne Diagnose kann Austrocknung, Elektrolytstörungen und Kreislaufprobleme auslösen.

Welche Lebensmittel helfen gegen Kaliummangel unter Furosemid?

Die Fachinformation nennt als kaliumreiche Kost unter anderem mageres Fleisch, Kartoffeln, Bananen, Tomaten, Karfiol, Spinat und getrocknete Früchte. Ob zusätzlich ein Kaliumpräparat nötig ist, entscheidet die behandelnde Ordination anhand der Blutwerte.

Darf man Furosemid zusammen mit Ibuprofen nehmen?

Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen können die Wirkung von Furosemid abschwächen und bei Flüssigkeitsmangel ein akutes Nierenversagen auslösen. Eine längere gemeinsame Einnahme besprechen Sie vorher mit der behandelnden Ordination.

Was tun bei Durchfall oder Erbrechen unter Furosemid?

Bei starkem Flüssigkeitsverlust, etwa durch Erbrechen, Durchfall oder starkes Schwitzen, verlangt die Fachinformation eine besonders enge Überwachung, weil Austrocknung und Elektrolytstörungen drohen; unter Umständen muss die Behandlung kurz pausiert werden. Melden Sie sich in dieser Situation zeitnah bei der behandelnden Ordination, statt die Einnahme selbst zu verändern.

Ist Furosemid rezeptfrei?

Nein. Jedes Furosemid-Präparat ist in Österreich rezeptpflichtig, egal in welcher Stärke und von welchem Hersteller.

Was ist der Unterschied zwischen Lasix und Furosemid?

Lasix ist ein Handelsname, Furosemid der Wirkstoff. In Österreich gibt es mehrere Präparate mit Furosemid, darunter Tabletten mit 20, 40, 80 und 500 mg. Die 500-mg-Tabletten sind ausschließlich für Menschen mit stark eingeschränkter Nierenfunktion vorgesehen und nicht gegen kleinere Stärken austauschbar.